Was die beliebte Sommer-Leckerei so cremig macht, stammt meist aus problematischen Quellen, prangert der WWF an: Vor allem bei der Verwendung von Kokosfett spielt ökologische und soziale Nachhaltigkeit bei den meisten deutschen Speiseeis-Produzenten keine Rolle, geht aus einer Analyse der Umweltorganisation hervor. Das in die Kritik geratene Palmöl zugunsten von nicht zertifiziertem Kokosöl zu ersetzten, ist Augenwischerei, so der WWF.
Nachhaltigkeit Fehlanzeige
Die Angaben belegen erneut den Trend weg von dem in Verruf geratenen Palmöl – es wird kaum noch in der Eisproduktion eingesetzt. Wenn es doch Verwendung findet, handelt es sich um zertifizierte Ware, geben die Unternehmen an. Statt Palmöl wird vor allem Kokosfett verwendet – bis auf eine Ausnahme nutzen es alle Hersteller. Bei Langnese- und Magnum-Produkten bildet es sogar ausschließlich den Pflanzenöl-Bestandteil. Doch nun kommt der Haken: Kein einziges Unternehmen achtete beim Einkauf des Kokosfetts auf ökologische und soziale Anforderungen bei dessen Produktion, geht aus den Angaben hervor. Das sei haarsträubend, kritisiert der WWF: Unternehmen tauschen Palmöl gegen Kokos aus, da dieses als “grüner” und weniger belastet beim Verbraucher gilt. Wenn es allerdings nicht aus nachhaltigem Anbau stammt, ist das nicht der Fall – im Gegenteil.
Das zeigt ein simpler Vergleich: Der Ertrag der Ölpalme liegt durchschnittlich bei etwa 3,8 Tonnen Öl pro Hektar. Der von Kokosöl hingegen nur bei 0,7 Tonnen. Weitet sich der Trend aus, Palmöl durch Kokosöl zu ersetzen, wird somit letztlich deutlich mehr Anbaufläche nötig sein. Das bedeutete, es müssten noch mehr Wälder in Plantagen verwandelt werden. An Kokosöl, das teilweise in den gleichen Ländern wie das viel diskutierte Palmöl angebaut wird, werden derzeit kaum Produktions-Anforderungen hinsichtlich ökologischer Nachhaltigkeit gestellt. „Wer den Kunden nicht zertifiziertes Kokosöl als grüne Alternative verkauft, betreibt Augenwischerei“, sagt Ilka Petersen vom WWF Deutschland.
Dazu kommt: Auch unter sozialen Gesichtspunkten ist der Kokosanbau mit vielen Problemen behaftet. So leben etwa 60 Prozent der Kokos-Kleinbauern im Hauptproduktionsland Philippinen unter der Armutsgrenze. “Ein Eis mit schlechtem Gewissen zu genießen, das ist weder für uns, noch für die Umwelt oder die Bauern vor Ort befriedigend“, sagt Petersen. “Es scheint den deutschen Eisproduzenten aber schlichtweg egal zu sein, wie und wo ihr Kokosfett hergestellt wurde“, resümiert sie das Ergebnis der Analyse.





