Sie sind die Herrscher einer entlegenen Region, doch das hat die Eisbären nicht vor Problemen im Zeitalter des Menschen bewahrt: Die Bestände der weißen Riesen sind in den letzten Jahrzehnten vielerorts stark zurückgegangen. Forscher führen dies auf einen Effekt des Klimawandels zurück: Durch die Erwärmung schrumpft der Lebensraum der Eisbären – das Packeis. Dadurch werden ihre oft weitläufigen Wanderbewegungen beeinträchtigt und vor allem verlieren die Raubtiere ihre Jagdgründe. Denn Eisbären lauern üblicherweise an Löchern und Rändern des Meereises Robben auf. Wenn sich der Klimawandel und der Eisrückgang den Prognosen entsprechend fortsetzt, könnten die drastischen Umweltveränderungen im hohen Norden das Aus für den Eisbären bedeuten, so die Befürchtung.
Doch die Studie der Forscher um Kristin Laidre von der University of Washington in Seattle gibt nun zumindest etwas Hoffnung. In ihrem Visier standen Eisbären, die in einem speziellen Verbreitungsgebiet leben: Im Südosten Grönlands, der von Gletschern und Fjorden geprägt ist. “Zunächst war nur grundlegend bekannt, dass es dort einige Bären gibt. Doch keiner hätte geahnt, wie besonders sie sind – dass es sich um eine bisher unbekannte Unterpopulation der Art handelt”, sagt Laidre. Die Ergebnisse der Wissenschaftler basieren dabei auf genetischen Informationen, Bewegungsdaten, Lebensraumanalysen und Verhaltensbeobachtungen unter Einbeziehung des traditionellen Wissens der einheimischen Bevölkerung.
Südöstliche Grönlandbären sind besonders
Wie das Team berichtet, ging aus den Untersuchungen des Erbguts der Tiere hervor: Sie bilden eine Eisbärenpopulation, die sich besonders deutlich von anderen Gruppen unterscheidet. “Es handelt sich um die genetisch am stärksten isolierte Eisbärenpopulation auf dem gesamten Planeten”, sagt Co-Autorin Beth Shapiro von der University of California in Santa Cruz. Weitere Untersuchungsdaten passten zu diesem Befund: “Wir wissen, dass diese Population seit mindestens mehreren hundert Jahren getrennt von anderen Eisbären lebt und dass ihr Bestand während dieser Zeit klein geblieben ist“, sagt Shapiro. Den Schätzungen des Teams zufolge umfasst die Eisbärengemeinschaft in Südostgrönland nur ein paar hundert Bären.

Die Bildung einer Gruppe mit speziellen genetischen Merkmalen hat mit der isolierten Lage des Lebensraums zu tun, erklären die Forscher: Er wird von Bergen begrenzt und dem Meer, das von einer schnell fließenden Küstenströmung geprägt ist. Die satellitengestützte Verfolgung erwachsener Weibchen zeigte auch, dass die Südostgrönlandbären im Vergleich zu den meisten anderen Eisbären, die zur Jagd weit über das Meereis reisen, eher ortstreu sind: Sie wandern auf dem Eis innerhalb geschützter Fjorde oder klettern auf Berge, um benachbarte Gletschertäler über das grönländische Inlandeis zu erreichen. Etwas weitere Touren ergeben sich offenbar durch Drift, berichten die Forscher: Viele der untersuchten Bären trieben durchschnittlich 190 Kilometer auf kleinen Eisschollen, die von der nach Süden gerichteten ostgrönländischen Küstenströmung erfasst wurden. Am Ende der Reise sprangen die Tiere ab und wanderten dann auf dem Landweg wieder zurück nach Norden zu ihren Heimatfjorden.





