Künstliche Winzlinge machen der Welt zu schaffen: Die gigantischen Mengen an Plastikabfällen, die jedes Jahr in der Umwelt landen, werden nicht biologisch abgebaut, sondern zerfallen nur in immer kleinere Stückchen. Studien zeigen, dass viele unterschiedliche Lebewesen diese mikroskopischen Partikel aufnehmen und davon in teils komplexer Weise beeinträchtigt werden. Über die Nahrungskette kann die Plastikverschmutzung der Welt dann letztlich auch wieder die Verursacher erreichen: Mikroplastik wurde bereits in Nahrungsmitteln und verschiedenen Geweben des menschlichen Körpers nachgewiesen. Wissenschaftler warnen deshalb, dass die globale Mikroplastik-Belastung mit vielschichtigen Risiken für Umwelt und Mensch verbunden sein kann.
Belastetes Futter
Es hat sich auch bereits gezeigt, dass die Partikel sogar entlegene Bereiche der Erde überraschend intensiv belasten: In tierischen Lebewesen der arktischen Gewässer sowie in dortigen Tiefsee-Sedimenten wurden erhebliche Mengen Mikroplastik nachgewiesen. Im Rahmen der aktuellen Studie ist ein internationales Forscherteam nun dem Verdacht nachgegangen, dass dabei ein wichtiger Biomasseproduzent im arktischen Meer eine grundlegende Rolle spielen könnte: die Alge Melosira arctica. Sie wächst im Sommerhalbjahr unter dem Meereis und bildet dort meterlange Zellketten. Diese Biomasse verklebt dann oft zu Klumpen, die anderen Lebewesen als Nahrung dienen. Die Gebilde sinken dabei auch bis in große Tiefen. Am Grund bilden sie dann ebenfalls eine wichtige Nahrungsquelle für die dort lebenden Organismen.
Für ihre Studie haben die Forscher auf einer Expedition mit dem Forschungsschiff Polarstern Proben von Melosira-Algen und dem Umgebungswasser in arktischen Gewässern gesammelt und analysiert. Dabei zeigte sich eine überraschend hohe Mikroplastik-Belastung: Die Algenklumpen enthielten mit durchschnittlich rund 31.000 Partikel pro Kubikmeter etwa zehnmal so hohe Konzentrationen wie das Umgebungswasser, berichtet das Team. Vermutlich hat die Anreicherung mit der Konsistenz dieser Organismen zu tun, erklären die Wissenschaftler: „Die fädigen Algen haben eine schleimig-klebrige Textur, sodass sie möglicherweise Mikroplastik aus atmosphärischen Niederschlägen, dem Meerwasser selbst und dem umgebenden Eis einsammeln“, sagt Co-Autorin Deonie Allen von der University of Canterbury.
Algen transportieren Mikroplastik in die Tiefe
Damit zeichnet sich nun ab, dass diese Organismen an der problematischen Anreicherung der Partikel in der arktischen Lebenswelt beteiligt sind, erklären die Forscher: „Einmal im Algenschleim gefangen, werden sie von Meerestieren gefressen oder fahren wie in einem Aufzug zum Meeresboden“, sagt Allen. Erst-Autorin Melanie Bergmann vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven führt dazu weiter aus: „Wir haben damit nun eine plausible Erklärung dafür gefunden, warum wir im Tiefsee-Sediment im Bereich des Eisrandes die größten Mengen von Mikroplastik finden“, so die Forscherin.





