Besonders im September und Oktober sind viele Menschen gerne mit einem Korb in Wäldern und auf Wiesen unterwegs, um nach köstlichen Bereicherungen des Speiseplans zu suchen: Die Pilzsaison erreicht ihren Höhepunkt. Doch wie hat sich eigentlich die radioaktive Belastung der Schwammerln entwickelt? Vor allem, wer sich an das Jahr 1986 persönlich erinnern kann, weiß, dass in der Folge der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl radioaktive Schwaden auch bis nach Deutschland gezogen sind und die Umwelt belastet haben. Damals wurde davor gewarnt, dass besonders Wildpilze in ihren Fruchtkörpern teils bedenkliche Mengen der radioaktiven Substanzen ansammeln können. Auch in den folgenden Jahrzehnten wurde weiterhin über die hartnäckige Belastung berichtet. Sie ist auf das radioaktive Cäsium-137 zurückzuführen, das eine Halbwertszeit von 30 Jahren aufweist.
Noch immer strahlende Pilze
Über die zuletzt erfassten Werte informiert nun das Bundesamt für Strahlenschutz in Salzgitter (BfS). Der Pilzbericht umfasst die Untersuchungsergebnisse der Jahre 2019 bis 2021. Es wurden dabei zahlreiche wildwachsende Speisepilzarten in unterschiedlichen Regionen analysiert. Wie das BfS erklärt, ist die Kontamination von Pilzen sowohl vom Cäsium-137-Gehalt in der Umgebung des Pilzgeflechts (Myzel) im Boden als auch vom speziellen Anreicherungsvermögen der jeweiligen Pilzart abhängig. „Wer jetzt Pilze für den eigenen Verzehr sammeln will, kann den aktuellen Pilzbericht des Bundesamtes für Strahlenschutz zur Orientierung nutzen“, sagt BfS-Präsidentin Inge Paulini.
Aus dem Bericht geht hervor, dass bei Wildpilzen teilweise noch immer der Grenzwert, der für Pilze im Handel gilt, erheblich überschritten wird. Er liegt bei 600 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm Frischmasse. Bei einigen Wildpilzen erreicht er hingegen über 4000 Becquerel. Am stärksten belastet sind Pilze aus den Gebieten Deutschlands, die nach dem Reaktorunfall besonders vom Fallout betroffen waren. „In diesen Gebieten – etwa dem Bayerischen Wald, dem Alpenrand und dem Donaumoos südwestlich von Ingolstadt – sollte man selbst gesammelte Pilze nur in Maßen verzehren, um eine unnötige Strahlenbelastung zu vermeiden“, rät Paulini.
Je nach Art stark unterschiedlich
Strahlende Spitzenreiter mit 4000 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm Frischmasse waren im Untersuchungszeitraum die Semmelstoppelpilze. Dabei handelt es sich um bei Pilzkennern beliebte Speisepilze, die teils häufig in Wäldern zu finden sind. 1000 Becquerel pro Kilogramm erreichten weitere oft gesammelte Arten, wie beispielsweise Trompetenpfifferlinge, Maronenröhrlinge oder verschiedenen Schnecklingsarten. Es gibt allerdings auch ausgesprochen gering belastete Pilze: Weniger als zehn Becquerel pro Kilogramm wiesen etwa einige wilde Champignonarten, der Schopftintling oder der Honiggelbe Hallimasch auf. Die lange Reihe der unbedenklichen Arten ist in dem Bericht gelistet.





