Raupen erfahren durch die Duftsignale von Maispflanzen, wenn sie sich ohne Gefahr vor Feinden an ihnen gütlich tun können. Diese Düfte bestimmen stärker als der Wechsel von Tag und Nacht die Aktivität der Raupen, wie japanische Forscher nun bei der Beobachtung einer nachtaktiven Raupenart herausgefunden haben.
Viele Pflanzen bekämpfen ihre Schädlinge mit einem raffinierten Abwehrsystem: Sie geben ein chemisches Signal in die Luft ab, mit dem sie die Feinde ihrer Parasiten um Hilfe rufen. So wehren sich von bestimmten Schmetterlingsraupen befallene Maispflanzen, indem sie spezielle organische Verbindungen verströmen und dadurch Schlupfwespen anlocken. Diese legen ihre Eier in die Schädlinge und töten sie damit ab.
Da die Wespen tagaktiv sind, produzieren die Pflanzen tagsüber mehr der chemischen Hilferufe als in der Nacht. An dieser Schwankung orientieren sich jedoch auch nachtaktive Raupen und werden dabei in ihrem Verhalten stärker beeinflusst als durch den Wechsel von Licht und Dunkelheit im Laufe eines Tages, konnten die Forscher um Kaori Shiojiri in ihrer Studie nachweisen. Eine hohe Konzentration der Duftstoffe bedeutet für die Tiere Gefahr, eine niedrige Konzentration verheißt eine sichere Futtersuche.
In ihren Tests setzten die Wissenschaftler einige der Raupen in kleine Plastikschalen mit Unterschlupfmöglichkeiten. Erhielten die Raupen nur künstliches Futter, gaben sie ihr nachtaktives Verhalten auf und versteckten sich tagsüber genauso häufig wie während der Nacht. Nun fingen die Wissenschaftler die von Kornpflanzen abgegebenen chemischen Duftstoffe auf und setzten danach die Raupen den eingesammelten Stoffen aus. Stammten die Duftstoffe von im Hellen stehenden Pflanzen, versteckten sich deutlich mehr Raupen, als wenn die Stoffe von Pflanzen im Dunkeln abgesondert worden waren. Ob die Raupen selbst im Dunkeln oder im Hellen saßen, hatte auf ihr Verhalten hingegen keinen Einfluss.
Weitere Untersuchungen sollen klären, welcher Stoff in dem Duftstoffgemisch das Verhalten der Raupen beeinflusst. Auch wollen die Wissenschaftler herausfinden, wie verbreitet diese Art der Kommunikation zwischen Pflanzen und Insekten ist.
Kaori Shiojiri ( Universität von Kyoto) et al.: PLoS Biology, Bd. 4, Ausg. 6, e164 ddp/wissenschaft.de ? Andrea Boller





