Genau wie ein Mensch beim Duft von frischem Brot direkt an eine Bäckerei denkt, verbinden auch Bienen bestimmte Gerüche mit speziellen Futterquellen. Haben die Insekten einmal einen Duft mit einer Nahrungsquelle assoziiert, kehren sie dorthin zurück, wenn sie den Geruch irgendwo wahrnehmen ? unabhängig davon, ob die Futterquelle noch existiert oder nicht. Das berichten australische Forscher in der Fachzeitschrift Nature (Bd. 427, S. 411).
Honigbienen finden mit Leichtigkeit gute Futterquellen wieder, auch wenn diese mehrere Kilometer vom Stock entfernt sind. Dabei verlassen sich die Insekten nicht nur auf optische Hinweise wie die Position und die Farbe nektarhaltiger Blüten, sondern auch auf ihren Geruchssinn. Wie das funktioniert, entdeckten Judith Reinhard und ihre Kollegen von der Universität in Canberra: Bestimmte Gerüche rufen den Nektarsammlern offensichtlich Erinnerungen an den Weg zu einer Futterstelle ins Gedächtnis zurück.
Die Forscher hatten bei ihren Versuchen in der Nähe eines Bienenstocks Behälter mit Zuckerwasser aufgestellt. In einem der Gefäße war das Futter mit Zitronengeruch parfümiert, in anderen mit Rosen- oder Mandelduft. Nachdem die Bienen einige Tage lang diese Futterquellen besucht hatten, ersetzten die Wissenschaftler die duftenden Gefäße durch leere, geruchslose Krüge. Anschließend pusteten sie Zitronenduft in den Stock und beobachteten das Verhalten der Bienen ? mit eindeutigem Ergebnis: Der größte Teil der Insekten flog sofort zu der Stelle, an der vorher der nach Zitronen duftende Futtertopf gestanden hatte. Das gleiche Ergebnis erzielten die Forscher mit den anderen beiden Düften.
Das Verhalten der Tiere zeige deutlich, dass die von den Futterstellen vertrauten Düfte das visuelle Gedächtnis der Bienen aktiviert haben, schreiben die Forscher. Wahrscheinlich diene dieses System dazu, die Futtersuche innerhalb des Volkes besser abzustimmen und damit effektiver zu machen: Haftet nämlich einer Biene, die nach erfolgreicher Futtersuche in den Stock zurückkehrt, der Geruch der Futterquelle an, kann er andere, erfahrene Futtersucher animieren, direkt und ohne lange Suche die ergiebige Quelle aufzusuchen.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





