Interview: Juliette Irmer
natur: Bevor wir auf den Erfolg von Jocotoco zu sprechen kommen – wie kommt es, dass Sie der Leiter einer ecuadorianischen Naturschutzorganisation sind?
Schaefer: Ich bin seit meiner Kindheit begeisterter Ornithologe und Ecuador ist eines der artenreichsten Länder der Welt. 1.600 Vogelarten kommen hier vor, das sind 15 Prozent aller weltweit vorkommenden Arten. Die einzigartige Biodiversität des Landes ist aber durch Abholzung stark bedroht. Daher lehnte ich 2013 meinen Ruf auf einen Lehrstuhl an eine deutsche Universität ab und entschied mich für den Artenschutz. Wissenschaft ist etwas Wunderbares, aber ich wollte nicht nur verstehen, warum Tiere aussterben, sondern konkret etwas dagegen tun, und das möglichst effizient. Seit über acht Jahren leite ich nun Jocotoco und habe die Entscheidung nie bereut.
Jocotoco ist unter Ihrer Leitung stark gewachsen und mittlerweile eine geachtete Institution.
Ja, seit 2021 haben wir unsere für den Naturschutz eingesetzten Mittel jährlich verdoppelt. Damit schützen wir zielgerichtet einige der artenreichsten Gebiete weltweit, vom Tiefland des Amazonas-Regenwaldes bis hin zu den Galapagosinseln: Zusammen mit der Regierung Ecuadors haben wir zum Beispiel ein marines Naturschutzgebiet ausgewiesen, das anderthalbmal so groß ist wie die Schweiz.
Und an Land schützen wir auf einer winzigen Fläche von 420 Quadratkilometern mehr als zehn Prozent aller Vogelarten weltweit. Davon profitieren auch Tausende anderer Arten. So hat sich die Population von Jaguaren und Brillenbären in unseren Reservaten deutlich erholt, weil sie dort nicht mehr bejagt werden.
Klingt beeindruckend. Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?
Unsere Schutzstrategie besteht aus mehreren Pfeilern. Zunächst einmal schützen wir Flächen, also Lebensraum. Die Flächen können, müssen aber nicht vollständig aus der menschlichen Nutzung ausgenommen werden. Doch die Natur braucht Rückzugsräume.
Unsere Parkwächter überwachen diese Gebiete aktiv, aber wir nutzen auch Drohnen und im Wald platzierte Mikrofone. Unsere Joco-App erlaubt uns einen schnellen Informationsaustausch zwischen allen Reservaten. Dann binden wir die umliegenden Gemeinden ein. Anders als bei anderen Naturschutzorganisationen, leben 80 Prozent unserer Angestellten in den Dörfern in der Nähe unserer Reservate.





