Hummelzählung in Norfolk
Um das herauszufinden, hat ein Biologenteam um Liam Crowther von der University of East Anglia in einem einige Kilometer umfassenden Areal in der Grafschaft Norfolk über einen Zeitraum von drei Monaten eine Art Hummelzählung durchgeführt. Die Landschaft dieses Gebiets ist mit seiner Agrarwirtschaft und Stadtstruktur typisch für ganz Südengland und deshalb gut für eine Stichprobe geeignet. Die Forscher wollten wissen: Welche Stellen werden von welchen Hummelarten bevorzugt angeflogen – städtische oder ländliche Gebiete, bewirtschaftete oder natürlich belassene? Und welche Blüten bevorzugen die Bestäuber? Auf diese Weise offenbarte sich schließlich, was das Erfolgsrezept der Baumhummel ist: Sie hat sich auf das Leben in der Stadt spezialisiert. Im Vergleich zu den fünf weiteren Hummelarten, die die Wissenschaftler untersuchten, hielt sich die Baumhummel signifikant häufiger in bebauten Gebieten auf. Außerdem bevorzugte sie andere Pflanzen als ihre Verwandten. So zeigte sie zum Beispiel im Vergleich zu den anderen Bombus Arten eine signifikant höhere Vorliebe für Hagedorn und Schlehe.
Vielfältige Nistmöglichkeiten
Damit hat sich Bombus hypnorum auf eine bisher kaum besetzte ökologische Nische spezialisiert und muss so nicht mit den schon länger in Großbritannien ansässigen anderen Hummelarten konkurrieren: „Die Baumhummel nutzt intensiv die Ressourcen, die städtische Räume bieten und die andere Hummeln nicht in diesem Ausmaß beanspruchen”, schreiben Crowther und seine Kollegen. In der Stadt findet die Baumhummel ideale Lebensbedingungen vor: In Gärten und Parks steht ihr ein vielfältiges Nahrungsangebot zur Verfügung – andere Hummelarten könnten dies jedoch auch nutzen. Doch besonders attraktiv ist die Stadt für Bombus hypnorum, weil sie dort vielfältige Nistmöglichkeiten findet. Denn die Baumhummel baut oberirdische Nester, ein unter den britischen Hummelarten kaum verbreitetes Verhalten. Diese platziert sie in hohlen Bäumen oder anderen oberirdischen Aushöhlungen. Nistkästen, die der Mensch für Vögel anbringt, Mauer- und Felsspalten, aber auch Nischen auf Dachböden mit Isolierwolle sind ihre bevorzugten Neststandorte. Und die findet Bombus hypnorum nur in von Menschen gestalteten Lebensräumen.





