Erdmännchen sind ausgesprochen soziale Tiere: Heranwachsende Männchen und Weibchen passen auf Neugeborene auf, füttern Junge und räumen die Schlafhöhlen auf. Doch alle diese Dienste tun sie nur um des eigenen Vorteils willen, schreiben Tim Clutton-Brock von der University of Cambridge und Kollegen im Fachblatt Science (Bd. 297, S. 253).
Die Forscher beobachteten mehrere Gruppen der Höhlenbewohner in der südlichen Kalahari-Wüste und stellten fest, dass die jungen Weibchen mehr Zeit mit Babysitten und dem Füttern des Nachwuchses der Gruppe verbrachten als die Männchen. Die Forscher um Clutton-Brock führen dies darauf zurück, dass zumindest einige weibliche Erdmännchen in ihrer Geburtsgruppe bleiben und dort selbst Junge bekommen, während die Männchen später alle die Gruppe verlassen.
Die heranwachsenden Weibchen hätten also einen Vorteil davon, zukünftige Helferinnen heranzuziehen, die sich später um ihren eigenen Nachwuchs kümmern können. Wenn Weibchen ihre Geburtsgruppe verlassen, tun sie dies meist in kleinen Gruppen von fünf oder sechs. Wenn sie dabei helfen, die Babys aufzuziehen, kann ihnen das auch dabei helfen, zukünftige Gefährtinnen zu finden.
Die jungen Männchen kümmern sich eher darum, den Aufpasser für die ganz Kleinen zu spielen, wenn diese umherstrolchen. Auch davon hätten sie einen Vorteil, so die Forscher: Die Tiere können dabei Ausschau nach gruppenfremden Weibchen halten.
Die Forscher übertragen dieses Verhalten auf gewisse Vogelarten, die in Kolonien brüten. Dort tragen männliche Helfer mehr zur Aufzucht fremden Nachwuchses bei als weibliche. Bislang wurde dieses Verhalten unsicheren Vaterschaften in der Kolonie zugeschrieben. Clutton-Brock und Kollegen vermuten dagegen, dass der Grund darin liegt, dass die Vogelmännchen eher in ihrer Geburtskolonie blieben als die Weibchen. Und so können sie von Ihrer Hilfe später wieder profitieren, wenn ihnen andere Gruppenmitglieder helfen.
Ute Kehse





