Südamerikanische Ameisen leben nicht wie bislang angenommen mit drei, sondern mit vier Partnern in einer Lebensgemeinschaft: einem Pilz, von dem sie sich ernähren, einem Parasiten, der diesen Pilz befällt, einer Bakterienart, die ein Fungizid gegen den Schmarotzer herstellt und einem neu entdeckten weiteren Pilz, dessen Funktion bisher nicht bekannt ist. Das haben amerikanische Forscher beobachtet, als sie Knotenameisen der Gattung Apterostigma aus Ecuador, Peru und Panama untersuchten. Die ungewöhnliche Wohngemeinschaft besteht wahrscheinlich schon seit 50 bis 65 Millionen Jahren.
Bereits seit langem ist bekannt, dass verschiedene Ameisenarten Pilze regelrecht anbauen, um sich von ihnen zu ernähren. Diese Pilzgärten locken allerdings auch andere Nutznießer an, haben Forscher vor ein paar Jahren entdeckt. Dazu gehört beispielsweise ein parasitischer Mikropilz namens Escovopsis, der sich in den Pilzgärten breitmacht und sich ebenfalls von den mühsam kultivierten Pilzen ernährt. Das lassen sich die Insekten jedoch nicht so einfach bieten: Sie beherbergen direkt an ihren Körpern einen dritten Untermieter, ein Bakterium aus der Gattung Streptomyces. Von dieser Gemeinschaft profitieren beide Partner, denn die Ameisen nutzen ein von den Bakterien produziertes Fungizid, um die unerwünschten Parasiten zu bekämpfen, während die Mikroben auf dem Ameisenkörper einen geschützten Lebensraum finden.
Als wäre diese Viererwohngemeinschaft noch nicht ungewöhnlich genug, haben die beiden Wissenschaftler Little und Currie nun noch einen fünften Partner entdeckt. Ebenfalls im Brustbereich der Ameisen, ungefähr dort, wo auch die Bakterien beheimatet sind, wächst ein so genannter Schwärzepilz. Diese dunkelgefärbten Schimmelpilze aus der Gattung Phialophora kommen normalerweise im Erdboden auf verrottendem Holz oder faulenden Pflanzen vor und können beim Menschen verschiedene Infektionen auslösen. Unter den Ameisen sind sie weit verbreitet, konnten die Forscher zeigen: Sie kamen bei mehr als 94 Prozent aller untersuchten Tiere vor.
Wahrscheinlich stießen die Pilze schon während oder kurz nach der Etablierung der Partnerschaften mit Futterpilz, Parasit und Bakterium zu der Lebensgemeinschaft, vermuten die Forscher ? entweder über die Pflanzen, mit denen die Ameisen ihre Pilzgärten düngen, über einen der anderen Partner oder über andere Insekten, die Kontakt mit den Ameisen hatten. Welche Rolle sie in der Gemeinschaft spielen, können die Wissenschaftler allerdings noch nicht sagen. Sie halten es jedoch für denkbar, dass sie der Fungizidproduktion der Bakterien entgegenwirken und so dem parasitischen Pilz Vorteile verschaffen. Als nächstes wollen die Biologen Herkunft und Funktion der Schwärzepilze genauer unter die Lupe nehmen.
Ainslie Little und Cameron Currie (Universität von Wisconsin in Madison): Biology Letters, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rsbl.2007.0253 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel





