Fleischfressende Pflanzen können mit ihren umgewandelten Blättern Insekten und andere Kleintiere anlocken, fangen und verdauen. Die Fangmethoden reichen je nach Spezies von klebrigen Drüsenhaaren über Klappfallen bis hin zu falltürähnlichen Saugapparaten. Die so gewonnenen Nährstoffe verwenden sie für ihr Wachstum. Damit gleichen die Pflanzen den Mangel an Nährstoffen an ihren nährstoffarmen Standorten aus.
Bedrohungsstatus aller Arten erfasst
Für ihr Überleben sind die speziellen Pflanzen auf solche nährstoffarmen und zumeist feuchten Standorte angewiesen. Typische Lebensräume sind Moore, sauberen Quellbäche, nährstoffarme Gewässer, tropische Regenwälder oder auch nasse Felsen. Gerade diese Lebensräume jedoch werden immer seltener. Um sich ein Bild von dem Ausmaß der Bedrohung zu machen, hat nun ein internationales Forscherteam um Adam Cross von der Curtin University in Westaustralien alle fleischfressenden Pflanzenarten nach den Rote-Liste-Kategorien der Internationalen Artenschutzkommission (IUCN) für bedrohte Arten klassifiziert.
Im Rahmen ihrer Arbeit erfassten sie die Verbreitungsgebiete und Lebensräume aller 869 bekannten karnivoren Pflanzenarten und ermittelten Bedrohungen und Aussterberisiken. Dafür untersuchten sie unter anderem Faktoren wie die Veränderung von Lebensräumen, Arteninvasionen, die Umweltverschmutzung und den Klimawandel. „Durch unsere Arbeit konnten wir 100 Prozent aller weltweit bekannten fleischfressenden Pflanzen zusammen mit ihrem Rote-Liste-Naturschutzstatus erfassen“, so Cross’ Kollege Andreas Fleischmann. „Diese Quote ist besonders erfreulich, da wir bei den weltweit bekannten ca. 300.000 Blütenpflanzen nur den Gefährdungsstatus von etwa zehn Prozent kennen.“
In allen Pflanzengattungen sind Arten gefährdet
Das Ergebnis: „Unsere Studie hat gezeigt, dass etwa 25 Prozent aller bekannten fleischfressenden Pflanzen heute ein erhöhtes Aussterberisiko haben“, berichtet Cross. Beispiele für vom Aussterben bedrohte Arten sind insbesondere alle Spezies der fleischfressenden Pflanzengattung Philcoxia, ein Teil der Kannenpflanzen (Nepenthes) und Arten der Fettkräuter (Pinguicula). Außerdem stuften die Wissenschaftler bei allen Gattungen zumindest einige Spezies als gefährdet ein – insgesamt zählten sie dabei 47 Arten. Weitere 104 gelten als verwundbar.
Auch die Betrachtung der Verbreitungsgebiete ergab ein klares Muster: „Nach Ländern geordnet finden sich heute die meisten vom Aussterben bedrohten fleischfressenden Pflanzen in Brasilien, gefolgt von Indonesien, den Philippinen, Kuba, Thailand und Australien“, erklärt Cross. „Diese Länder tragen eine besondere Verantwortung für den Erhalt der globalen Artenvielfalt von fleischfressenden Pflanzen. Hier handelt es sich vor allem um Arten, die meist nur in einem kleinen Gebiet in diesen jeweiligen Ländern vorkommen.“





