Die Sargassosee im westlichen Atlantik gilt als die typische Heimat der auch Sargassum genannten Seetange aus der Gruppe der Braunalgen. Die beiden häufigsten Arten wachsen freischwimmend – sie halten sich durch typische blasenartige Strukturen über Wasser und werden durch die Meeresströmungen bewegt. Bereits Christoph Kolumbus berichtete im 15. Jahrhundert über die großen treibenden Tangmatten im Atlantik.
Die Entwicklung dieser Pflanzen folgt einem jährlichen Zyklus: Einige überleben den Winter und bilden im folgenden Frühjahr das Ausgangsmaterial für das erneute Ausbreiten der Matten. Im Herbst stirbt dann der Großteil des Pflanzenmaterials ab, sinkt auf den Grund oder wird an Küsten angespült. Der Seetang ist nicht etwa grundsätzlich problematisch – im Gegenteil: Die treibenden Algenwälder bilden wichtige Lebensräume für viele Meerestiere. Es handelt sich daher um Hotspots der Artenvielfalt und Produktivität. Doch wie in so vielen Fällen, wird es problematisch, wenn die seit Urzeiten gewachsenen Gleichgewichte durch den Menschen aus der Balance geraten. Genau dies scheint sich nun auch im Fall des Seetangs abzuzeichnen.
Zuviel des Guten
In den vergangenen Jahren wurden über besonders große Mengen von Tang im Zentralatlantik berichtet, die auch zu enormen Massenstrandungen an einigen Küsten geführt haben. Dies ging mit schwerwiegenden ökologischen und wirtschaftlichen Problemen einher: Zu große Bestände der Algen behindern die Möglichkeiten einiger Meerestiere, sich zu bewegen oder zu atmen – besonders wenn die Matten die Küstenregionen blockieren. Wenn der Tang in zu großen Mengen absinkt, kann er zudem Korallen, Seegräser und andere Lebewesen am Grund unter sich begraben. Angespült am Strand werden die Tangmassen ebenfalls zu einem Problem: Der Gestank des verrottenden Materials vertreibt Touristen und kann sogar die menschliche Gesundheit gefährden.
Um das starke Algenwachstum der letzten Jahre systematisch zu erfassen, haben Forscher der University of South Florida in Tampa nun Satellitendaten der NASA aus den letzten 19 Jahren ausgewertet. Wie sie erklären, stellten sich Analysen der Aufnahmen als eine ideale Möglichkeit heraus, um das Ausmaß und die Entwicklung der Seetangbestände im Überkick zu erfassen. Das Team wertete zudem weitere Informationen aus, die Hinweise auf die Ursachen des starken Wachstums liefern könnten.
Die Forscher konnten anhand der Satellitendaten dokumentieren, dass sich seit 2011 jedes Jahr mit Ausnahme von 2013 ein gigantischer Sargassum-Gürtel im Atlantik ausgebildet hat. Den Simulationen zufolge, entsteht die deutliche Bandstruktur durch die Strömungen im Atlantik. Wie Forscher berichten, war das Phänomen im letzten Jahr besonders stark ausgeprägt: Im Juni 2018 erreichte das Band aus den schwimmenden Tangmatten demnach eine Länge 8850 Kilometern – von der Westküste Afrikas bis in die Karibik. Die geschätzte Biomasse dieses Gebildes betrug dabei mehr als 20 Millionen Tonnen. Ein Teil dieses Materials sorgte dann an den Küsten des tropischen Atlantiks, der Karibik, des Golfs von Mexiko und der Ostküste Floridas für erhebliche Probleme.





