Auf dem ruckeligen Videoclip ist ein Wolfspaar zu sehen, das sich und seine Umgebung neugierig beschnuppert. Beide setzen Duftnoten, umkreisen einander und scharren mit ihren Pfoten. Eine Kamerafalle hat die Begegnung der beiden Tiere im Februar 2021 in den Bergen des ligurischen Apennins in Italien, einige Kilometer nördlich des Küstenortes Chiavari, festgehalten. Solche Aufnahmen könnten die Dokumentation einer beliebigen Wolfssichtung sein – wäre da nicht das ungewöhnliche Fellmuster: Während der Pelz des Männchens die üblichen Grautöne wilder europäischer Wölfe aufweist und das Tier nur durch seine weißen Socken auffällt, ist das Weibchen pechschwarz – untypische und daher mögliche äußerliche Indizien für genetische Abweichungen. Zu solchen kommt es, wenn sich frei lebende Wölfe beispielsweise in Ermangelung eines wölfischen Partners mit streunenden Hunden verpaaren. Im Falle der beiden handelt es sich tatsächlich um solche Hybriden. „Auf dieses Paar und seinen Nachwuchs sind wir schon 2018 aufmerksam geworden“, erläutert Giovanni Macelli von den zuständigen ligurischen Behörden den Gästen der LIFE WolfAlps-Konferenz in Trient, die sich im Mai 2024 mit der Lage des Wolfes in den Alpen und im Apennin befasste.
Macellis Kollegen erzählen ähnliche Geschichten aus anderen Regionen Europas. Doch niemand in Trient reagiert freudig auf solche Wildtierromanzen und den daraus resultierenden Nachwuchs. Vielmehr wollen die Teilnehmenden mit ihren Vorträgen für die Probleme und Gefahren sensibilisieren, welche eine Hybridisation für den streng geschützten Wolf birgt. Wolf-Hund-Hybriden kommen in mehreren europäischen Ländern vor. Besonders in Italien werden zu dem Problem aber steigende Zahlen veröffentlicht.





