Das XXL-Wandfoto über dem Schreibtisch von Angela Stöger-Horwath zeigt einen Elefanten mit weit aufgestellten Ohren – und ist quasi ein Sinnbild für das ambitionierte Projekt der Verhaltensbiologin. Hier, im Wiener Institut für Schallforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, hütet Stöger-Horwath Tausende Sound-Dateien mit Lauten von hunderten Afrikanischen Savannen-Elefanten, fein säuberlich katalogisiert nach Herkunft, Alter, Geschlecht und Rangordnungsplatz der Tiere. Mit diesem Material will die Forscherin eines nicht allzu fernen Tages die Sprache der Elefanten entschlüsseln – nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Nur: Wie codieren die größten Landsäuger der Erde eigentlich, was sie sagen wollen? Wissenschaftlich belegt ist, dass sie sich mit ihrem Rüssel, den Lippen und den Stimmbändern artikulieren können. Das gilt für alle drei Arten: den Afrikanischen Savannen-Elefanten, den besonders bedrohten Afrikanischen Wald-Elefanten sowie den Asiatischen Elefanten. Im Vergleich zu den meisten anderen Tieren beherrschen die Dickhäuter ein riesiges Repertoire an Lauten und können dieses sogar noch erweitern: Angela Stöger-Horwath studierte 2012 in Südkorea einen Asiatischen Elefanten, der einige Brocken Koreanisch imitieren konnte. Um die entsprechenden Lautkombinationen hervorzubringen, steckte er seine Rüsselspitze ins Maul und verformte scheinbar gezielt die Mundhöhle. „Das Tier war jahrelang allein in menschlicher Haltung. Wir vermuten, dass es durch dieses Laut-Verhalten den Pflegern sozial näher sein wollte“, verrät Stöger-Horwath. Außerdem berichtete sie von Afrikanischen Savannen-Elefanten, die gemeinsam mit Asiatischen gehalten wurden und nach einer Weile deren arttypische Quietsch-Laute nachahmten.
Meister der Kommunikation
Mickey Pardo von der Cornell University (USA) vermutet sogar: Elefanten können einander beim Namen nennen. Per Richtmikrofon sammelte der Verhaltensbiologe in Kenia 469 Savannen-Elefanten-Laute, denen er sowohl Absender- als auch Empfänger-Tier zuordnen konnte. Mithilfe Künstlicher Intelligenz ermittelte Pardo darin eine, wie er sagt, „namensähnliche Komponente“. Und tatsächlich: Als sein Team die Laute über Lautsprecher erneut abspielte, reagierten die Empfänger-Tiere offenkundig stärker als umstehende Artgenossen. Sie stellten die Ohren auf und näherten sich der Geräuschquelle. „Das zeigt uns auch, dass Elefanten wahrscheinlich in der Lage sind, abstrakte Verbindungen zu knüpfen – zwischen einem Laut, den sie benutzen, und einem Individuum, zu dem sie eine Beziehung haben“, so Pardo.
Angela Stöger-Horwath ist nicht hundertprozentig überzeugt. Zumal ihr amerikanischer Kollege bislang nicht in der Lage war, konkrete Elefantennamen zu isolieren und festzustellen, ob alle Tiere denselben Namen für ein bestimmtes Individuum verwenden. Grundsätzlich aber seien die Rüsselträger wahre Meister der Kommunikation, findet auch die Wienerin: „Elefanten leben wie Menschen in komplexen Gemeinschaften: Sie sind meist bei der Kernfamilie, interagieren aber während des Tages, etwa beim Fressen, häufig mit Individuen aus anderen Verbänden und teilen sich ihre gegenseitigen Gefühle mit – auch lautlich.“ Dabei verstehen die Tiere einander problemlos, auch über regionale Populationsgrenzen hinweg.





