Frobel: Das war wie gesagt schon in der ursprünglichen Resolution von Hof angelegt. Im Hinterkopf hatten wir das im Prinzip von Anfang an. 2002 bei einer Veranstaltung mit Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow haben wir diese Ausweitung das erste Mal öffentlich vorgeschlagen.
Weiger: Ohne Vorbereitung haben wir damals Gorbatschow gefragt, ob er nicht Schirmherr des Grünen Bandes Europa sein möchte. Nach kurzem Stutzen hat er zugesagt.
Geidezis: Wir haben ihm dann auch einen Anteilsschein am Grünen Band geschenkt, eine symbolische Aktie, die man nach wie vor kaufen kann, um zu spenden. Gorbatschow war der 3000. Aktionär. Er lachte damals, das sei seine erste Aktie und wedelte damit ins Publikum.

natur: Woran arbeiten Sie zurzeit auf der europäischen Ebene?
Frobel: Das europaweite Projekt steht dem deutschen schätzungsweise 15 Jahre nach. Da gibt es noch viel zu tun. Und es ist natürlich nochmal schwieriger, so etwas international aufzuziehen – mit noch viel mehr Interessen, die an dem Band zerren.
Geidezis: Vor einiger Zeit hat sich die Weltnaturschutzorganisation IUCN aus der Koordination der Europa-Initiative zurückgezogen, vornehmlich aus finanziellen Gründen. Jetzt wollen wir einen Verein gründen, um eine neue, noch bessere Struktur zu schaffen, die das ganze Netzwerk zusammenhält und festigt. Es wäre wünschenswert, wenn in dem geplanten Verein Regierungsvertreter und Naturschutzorganisationen aus allen 24 Anrainerländern vertreten wären. So hätten wir dann ein offizielles Mandat von den Ländern, um Projekte und Aktivitäten durchzuführen.
natur: Sind nicht Regierungswechsel manchmal ein Problem?
Weiger: Es gibt da eine Regel: Minister kommen und gehen, Beamte bleiben.
Geidezis: Aber das gilt leider nur für Deutschland. In anderen Ländern, etwa auf dem Balkan, muss man immer wieder präsent sein und von neuem Überzeugungsarbeit leisten.
Frobel: Umso wichtiger ist es, dass wir jetzt entsprechende internationale Vereinbarungen haben, in Deutschland die Berliner Absichtserklärung „declaration of intent“, im fennoskandischen Raum ein memorandum of understanding: eine internationale Vereinbarung zwischen Norwegen, Finnland und Russland. Ein einzelnes Land kann sich da jetzt nach einem Regierungswechsel nicht so leicht herauswinden.





