
Das Rulebook gibt einheitliche, transparente und vergleichbare Regeln vor, wie das Paris-Abkommen zu verstehen ist und umgesetzt werden soll. Um es zu beschließen, mussten 196 Staaten einen Konsens über das komplexe Regelwerk herstellen – inklusive der USA, deren Rückzug aus dem Pariser Abkommen noch nicht wirksam geworden ist. In Katowice wurde also viel erreicht angesichts der Krise des Multilateralismus. Aber viel zu wenig angesichts der Klimakrise.
Denn das Herzstück des Pariser Klimavertrags, die Klimabeiträge der Länder (Nationally Determined Contributions, NDCs), reichen derzeit bei weitem nicht aus, um das eigentliche Ziel einzuhalten, die Erderhitzung auf deutlich unter 2 Grad – möglichst 1,5 Grad Celsius – zu begrenzen. Bisher steuern sie in Summe auf eine Erhitzung von 3 Grad und mehr zu, was verheerende Folgen für Flora und Fauna und damit auch den Menschen bedeuten würde. Eine ungebremste Erderhitzung, so hat eine große WWF-Studie jüngst gezeigt, würde zu einem katastrophalen Artensterben führen: In den 35 wertvollsten Naturregionen der Welt – von den Galapagos-Inseln bis hin zum Amazonas – würden knapp die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten regional aussterben.
Fakten wurden als Meinungen abgetan
Nur: In Katowice wurde nichts Handfestes erreicht, um diese Klimaschutzlücke zu schließen. Zwar formierte sich eine „High Ambition Coalition“, die sich unter anderem für höhere NDCs und mehr kurzfristige Klimaschutzmaßnahmen aussprach. Diese freiwillige Erklärung unterschrieben auch Deutschland und die EU – allerdings ohne ihre eigenen Klimaschutzbeiträge zu erhöhen. Nach wie vor fehlt ein verbindlicher und wirksamer Mechanismus zur schnellen Erhöhung der NDCs.
Dabei hatte der Weltklimarat IPCC nur zwei Monate vor der Konferenz auf Basis der aktuellen wissenschaftlichen Forschung dargelegt, dass die Weltgemeinschaft die schlimmsten Folgen der Erderhitzung nur noch durch schnelles und entschlossenes Handeln verhindern kann. In Katowice entbrannte dann aber ein Streit darüber, ob dieser Bericht „zur Kenntnis“ genommen werden sollte, oder ausdrücklich „begrüßt“. Dahinter steckt der Versuch einiger Länder, wissenschaftliche Fakten als bloße Meinungen abzutun. Zwar wurde eine Kompromissformulierung gefunden, doch die Angriffe auf die Klimawissenschaft werden weitergehen.






