Die Weibchen der Großen Hufeisennase teilen sich ihre Paarungspartner mit ihren weiblichen Verwandten und paaren sich jahrelang mit demselben Männchen. Das haben britische Forscher bei der Untersuchung der vor allem in Südeuropa, Frankreich und England vorkommenden Fledermausart herausgefunden. Damit erhöhen die Tiere den Verwandtschaftsgrad und damit die Kooperation innerhalb ihrer Gruppe, ohne unter erhöhter Inzucht zu leiden.
Die Weibchen der Großen Hufeisennase
(Rhinolophus ferrumequinum) paaren sich im Herbst und im Frühjahr. Sie schwärmen dazu aus, um Gruppen von mehreren Individuen zu bilden und sich mit Männchen in Höhlen zu paaren. Während des Sommers bilden sie weibliche Kolonien, in denen der Nachwuchs aufgezogen wird. Weibchen kehren ihr Leben lang immer in ihre Geburtskolonie zurück, was die Bindung von Verwandten der mütterlichen Linie stärkt. Männchen schwärmen dagegen aus und treffen nur bei der Paarung mit den Weibchen zusammen.
Die Forscher entdeckten nun durch genetische Untersuchungen, dass der Verwandtschaftsgrad in den Kolonien höher war, als sie es bei typischen monogamen Arten oder bei polygynen Lebensformen erwartet hatten, bei denen ein Männchen mehrere Weibchen hat. Das könnte durch die beiden Paarungsstrategien der Weibchen hervorgerufen werden. Hier liegt nämlich eine besondere Art der Polygynie vor: Das Männchen paart sich zwar mit mehreren Weibchen, doch diese sind eng miteinander verwandt und in jeder Paarungssaison die gleichen. Dieses Paarungssystem innerhalb der Abstammungslinie, auch “intra-lineage polygyny” genannt, bringt einen evolutionären Vorteil, da es auf einen erhöhten Verwandtschaftsgrad abzielt, ohne die Inzucht zu erhöhen.
Stephen Rossiter (Queen-Mary-Universität, London) et al.: Nature, Bd.437, S.408-411
ddp/wissenschaft.de ? Eva Maria Marquart





