Forscher haben erstmals ein Gen für die Körpergröße des Menschen identifiziert: Wer eine bestimmte Variante davon besitzt, wird im Durchschnitt einen Zentimeter größer. Das Gen namens HMGA2 bestimmt damit zwar nur zu einem kleinen Teil, wie groß ein Mensch einmal wird. Trotzdem könnte es nach Ansicht der Wissenschaftler helfen zu verstehen, wie komplexe Eigenschaften vererbt werden, an denen viele verschiedene Gene beteiligt sind. Allerdings hat das HMGA2-Gen auch eine gefährliche Seite: Wenn es mutiert, kann das zu Krebs führen, erklären die Forscher.
Für ihre Studie durchsuchten Weedon und seine Mitarbeiter das Erbgut von knapp fünftausend Probanden und schauten, welches Gen sich mit der Körpergröße in Zusammenhang bringen ließ. Der dabei entdeckte Erbgutabschnitt enthält die Bauanleitung für das HMGA2-Protein. Dieses Eiweißmolekül dockt an die DNA an und beeinflusst so die Aktivität anderer Gene. Bereits im menschlichen Embryo ist es aktiv und bestimmt, wie lang die Knochen des Menschen einmal werden. Wie eine zusätzliche Analyse der Gene von weiteren 30.000 Freiwilligen zeigte, reicht bereits eine kleine Veränderung im HMGA2-Gen aus, um den Menschen wachsen zu lassen: Wird ein einziger Buchstabe im DNA-Code ausgetauscht, wird der Mensch größer.
Die Körpergröße wird zu neunzig Prozent von den Genen bestimmt, nur zehn Prozent seiner Größe verdankt der Mensch Einflüssen aus der Umwelt. Das HMGA2-Gen ist dabei nur ein Gen unter vielen, die die Größe des Menschen festlegen. Die Forscher erhoffen sich aber, in Zukunft noch mehr Gene zu entdecken, die bestimmen, ob ein Kind später eher klein oder groß sein wird. Wenn ein Kind kleiner ist als Gleichaltrige, kann dahinter eine gefährliche Krankheit stecken, erklären die Wissenschaftler. Gelänge es dagegen vorauszusagen, dass die Gene dafür verantwortlich sind, müssten sich viele Eltern weniger Sorgen machen.
Nicht nur für die Körpergröße ist mehr als ein Gen zuständig. Auch für Krankheiten wie Diabetes oder Krebs sind viele verschiedene Gene verantwortlich. Gelänge es herauszufinden, wie verschiedene Gene zusammenwirken, wären auch Krankheiten wie diese leichter zu verstehen, so die Forscher.
Michael Weedon (Peninsula Medical School in Exeter) et al.: Nature Genetics, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1038/ng2121 ddp/wissenschaft.de ? Anja Basters





