Hochleistungsrassen verdrängen die an die jeweiligen lokalen Bedingungen gut angepassten Tiere
Jede Woche gehen derzeit weltweit zwei Nutztier-Rassen ? und damit für den Menschen wertvolle genetische Ressourcen – verloren, so die neuesten Schätzungen der Weltorganisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) und dem United Nations Environment Programme (UNEP). Allein in den letzten hundert Jahren sind etwa 1000 domestizierte Säugetier- und Vogelrassen ausgestorben und die Tendenz ist derzeit dramatisch steigend. Betroffen sind etwa 30 Tierarten, darunter Rind, Schaf, Schwein, Pferd, Yak, Hase, Huhn, Ente, Taube und sogar der Vogelstrauß.
Laut den jetzt erschienenen Risiko-Statistiken in der World Watch List for Domestic Animal Diversity (WWW-DAD) sind 32 Prozent der insgesamt 6.500 Nutztier-Rassen in 170 Ländern akut vom Aussterben bedroht. Keith Hammond von der FAO erklärt: “Seit 1995 ist die Zahl der vom Aussterben bedrohten Säugetier-Rassen von 23 auf 35 Prozent angestiegen.” Bei den Vogelrassen sei die Situation mit einem Anstieg seit 1995 von 51 auf 63 Prozent noch bedenklicher.
Die Erhaltung der Nutztier-Rassen und ihrer Gen-Ressourcen sind zur Ernährung der Menschheit sehr wichtig, denn sie sind meist besser an die lokalen Verhältnisse wie Klima, Nahrung und Böden angepasst. Durch den Export von Tierrassen, die als besonders produktiv gelten, vor allem aus den Industrieländern in die Entwicklungsländer, werden fremde Gene in den lokalen Genpool der Tierrassen eingeschleust und oft verschwinden die lokalen Rassen ganz. Hammonds plädiert daher: “Wir müssen die lokalen Rassen erhalten. Die genetische Diversität ist unsere Absicherung gegen anstehende Probleme wie Hunger, Dürren und Epidemien.” (FAO)
Frieder Graef





