Sie wächst an Straßenrändern, in Gärten und selbst auf Schutthalden: Die Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia) ist ein anspruchsloses und widerstandsfähiges Kraut, das sich in Europa immer weiter ausbreitet. Nachdem die Pflanze im 19. Jahrhundert aus Nordamerika eingeschleppt wurde, etablierte sie sich zunächst vor allem in Südosteuropa, weil sie milde Winter zum Überdauern brauchte. Inzwischen jedoch hat sich die Beifuß-Ambrosie durch eine Mutation selbst an frostige Temperaturen angepasst und tritt nun immer häufiger auch in Mittel- und Nordeuropa auf. “Die Pflanze gilt inzwischen in mehr als 320 Ländern als invasive Art und man geht davon aus, dass sich ihre Verbreitung und Wirkung durch den Klimawandel noch verstärken werden”, erklären Urs Schaffner vom CABI-Forschungszentrum in der Schweiz.
Verantwortlich 23 Millionen Allergiefälle in Europa
Das Problem daran: Ambrosia artemisiifolia produziert einen besonders allergieträchtigen Pollen. Schon wenige Pollenkörner in der Luft reichen aus, um Heuschnupfen, Asthma und andere Allergiesymptome bei entsprechend sensiblen Personen auszulösen. Wie hoch die Belastung in Europa durch diesen Allergie-Auslöser ist, haben Schaffner und sein Team im Rahmen ihrer Studie untersucht. Dafür nutzten sie Daten des europäischen Pollen-Überwachungsprogramms für 256 Standorte in der Europäischen Union und werteten Allergiedaten aus den verschiedenen Ländern aus. “Wir haben ermittelt, dass aktuell rund 23,2 Millionen Menschen in Europa allergisch auf die Beifuß-Pollen reagieren”, berichten die Forscher. Allerdings müsse man berücksichtigen, dass nicht alle Personen mit positiver Reaktion auf dieses Allergen auch in Kontakt mit den Beifuß-Pollen kommen. So finden sich beispielsweise die höchsten Pollendichten und die meisten Allergiefälle in der Poebene, im Karpatenbecken und im Rhone-Tal, wie Schaffner und sein Team ermittelten.
Nachdem Schaffner und sein Team die Verbreitung der Pflanze und ihres Pollens berücksichtigt hatten, kamen sie auf 13,5 Millionen Menschen in Europa, die tatsächlich unter einer Allergie gegen die invasive Beifuß-Ambrosie leiden. Für die europäischen Gesundheitssysteme verursacht diese invasive Pflanze damit beträchtliche Kosten, wie sie berichten. Ausgehend von mittleren Behandlungskosten von 565 Euro pro Jahr und Patienten, ermittelten die Forscher europaweite Kosten von rund 7,4 Milliarden Euro pro Jahr. Das sei deutlich mehr als in früheren Studien geschätzt, sagen sie. Hinzu kommt, dass die Zahl der Betroffenen weiter steigen könnte, weil die Beifuß-Ambrosie von der globalen Erwärmung profitiert und zudem bei höheren Temperaturen noch mehr Pollen pro Pflanze produziert als ohnehin schon. Studien gehen deshalb davon aus, dass sich die Belastung mit Beifuß-Pollen bis zum Jahr 2050 um mindestens das Vierfache erhöhen könnte.





