Kalt- oder Warmblüter?
Lange Zeit ging man davon aus, dass die Dinosaurier wie die heutigen Reptilien kaltblütige Lebewesen waren. Doch dann mehrten sich Hinweise, die dies in Frage stellten: Untersuchungen zeigten beispielsweise, dass Dinosaurier vergleichsweise schnell heranwuchsen, was hohe Stoffwechselraten voraussetzt, die sich mit Kaltblütigkeit kaum vereinbaren lassen. Doch Warmblütigkeit erschien ebenfalls fragwürdig, da enorme Nahrungsmengen nötig gewesen wären, um die teils gigantischen Körper der Dinos zu versorgen. 2014 beantwortete dann ein Forscherteam die Frage mit einem „Weder – noch”. Das heißt, möglicherweise konnten die Dinosaurier ihre Temperatur durch Stoffwechselaktivität erhöhen, hielten sie aber nicht auf einem konstanten Niveau wie Warmblüter. Grundlage dieser Vermutungen waren Daten zu Wachstumsraten. Die Forscher um Robert Eagle von der University of California in Los Angeles (UCLA) untermauern diese Annahme nun erstmals durch Ergebnisse, die konkrete Rückschlüsse auf Temperaturen zulassen.
“Fossile Thermometer im Ei-Format”
Sie entwickelten eine Methode, die die bestimmte Strukturen bei der Isotopenverteilung der Elemente Sauerstoff und Kohlenstoff in Eierschalen als Basis nutzt. Durch Untersuchungen von Eiern heutiger Vogel– und Reptilienarten konnten sie zeigen, dass sich die Isotopenverteilung je nach Temperatur bei Entstehung der Eierschalen im Körper der Tiere unterscheidet. Mit anderen Worten: Die Schaleneigenschaften eines Eis, das sich in einer warmblütigen Henne entwickelt hat, sind in charakteristischer Weise anders als die eines Eis, das sich im kühlen Körper einer ektothermen Eidechse bildete.
Anschließend überprüften die Forscher zunächst, ob die typischen Merkmale von Eierschalen auch noch in Millionen Jahre alten Überresten von Dino-Eiern erhalten geblieben sind – mit positivem Ergebnis. „Diese Technik informiert über die interne Körpertemperatur der weiblichen Dinosaurier beim Eisprung,” erklärt Co-Autor Aradhna Tripati von der UCLA. Ihre Temperaturbestimmungs-Methode wendete sie an rund 80 Millionen Jahre alten Eiern von Titanosauriern aus Argentinien an. Zu dieser Dinosauriergruppe mit den charakteristischen langen Hälsen und Schwänzen gehörten auch die größten Landlebewesen aller Zeiten. Die anderen Eier im Test stammten von Oviraptoren – wendigen, zweibeinigen Dinosauriern, die vor etwa 71 bis 75 Millionen Jahren in der heutigen Mongolei lebten.
Werte über der Umgebungstemperatur
Die Analysen ergaben: Die Körpertemperatur der Titanosaurier war ausgesprochen warm – etwas über 37 Grad Celsius. Dabei könnte ihre enorme Größe eine Rolle gespielt haben, erklären die Forscher: Die enormen Körpermassen führten unterm Strich möglicherweise zu hohen und vergleichsweise stabilen Werten. Die deutlich kleineren Oviraptoren erreichten hingegen offenbar geringere Körpertemperaturen – etwa um 32 Grad. Auch diese Werte lagen allerdings deutlich über der durchschnittlichen Umgebungstemperatur von etwa 26 Grad. Auf diese Bedingungen konnten die Forscher durch Untersuchungen spezieller Eigenschaften des fossilen Bodenmaterials schließen, in dem die Eier gefunden worden waren.





