Der sogenannte “Green muscle” wurde in Nigeria bereits erfolgreich eingesetzt
Biologen vom nigerianischen International Institute of Tropical Agriculture haben am Montag auf der Konferenz der Weltbank in Washington bekannt gegeben, dass sich ein neues, biologisches Insektizid gegen Wüsten- und Feldheuschrecken im Freilandtest als sicher und effektiv erwiesen hat. “Dieses neue Produkt ist für die Umwelt absolut unbedenklich. Es tötet Feld- und Wüstenheuschrecken und sonst nichts,” sagte Jürgen Langewald, ein deutscher Biologe, der das Programm “Green Muscle” leitet.
Seit langem wissen Wissenschaftler, dass der Pilz “Metarhizium anisopliae” Wüsten- und Feldheuschrecken tötet, ohne anderen Lebewesen zu schaden. Erst jetzt aber können die Forscher den Pilz in grossen Mengen produzieren und ihn so verarbeiten, dass er als Insektizid eingesetzet werden kann. Dazu werden die trockenen Pilz-Sporen mit einem Öl vermischt. Diese dunkelgrüne Mischung namens “Green Muscle” kann per Handpumpe im kleinen Maßstab und aus Flugzeugen flächendeckend versprüht werden.
“Green Muscle” hat in seinem ersten großen Einsatz im August in Nigeria bereits Millionen Feldheuschrecken getötet. Genauso teuer wie herkömmliche Pestizide, kann diese organische Waffe effektiver als andere Insektizide nach nur einem Spraydurchgang – chemische Pestizide müssen dreimal pro Saison ausgesprüht werden – die gefräßigen Wüsten- und Feldheuschrecken dezimieren, heißt es in der Studie der World Bank. Früher zur Heuschreckenbekämpfung eingesetzte Chemikalien waren weniger effektiv und dazu toxisch, wie beispielsweise DDT. Die Bauern und ihre Familien seien viel gesünder, seit sie das Bio-Pestizid verwenden, berichten die Wissenschaftler.
Große Heuschreckenschwärme treten alle zehn bis zwanzig Jahre auf und fressen die Vegetation kahl ? auch das angebaute Getreide. Der letzte riesige Schwarm startete 1986 und überdeckte für die Dauer von drei Jahren mehr als 400 Quadratmeilen – vom Senegal bis Indien. Kleinere Schwärme hingegen kommen häufiger vor: Das Testgebiet in Nigeria wurde zwischen 1986 und 1989 viermal und 1992-93 ein weiteres mal von Heuschrecken verwüstet. Wüsten- und Feldheuschrecken fallen häufig über Teile Afrikas, Argentiniens, Australiens, Chinas, Indonesiens, Spaniens, Russlands und Nordamerika her.
Nicole Waschke, AP und BBC News





