Nicht nur physische Hindernisse wie Zäune, Straßen und Gebäude schränken Tiere in ihrem natürlichen Verhalten ein und zerschneiden ihre Lebensräume. Auch Licht kann dies tun, wenn es zu viele künstliche Lichtquellen zur falschen Zeit am falschen Ort gibt. Vor allem für nachtaktive Tiere, die Licht vermeiden, werden Lichtquellen zu einer regelrechten Barriere. Andere Tiere wiederum, wie Fledermäuse, Vögel oder Insekten, werden von Lichtquellen angezogen oder irritiert und in ihrem Nachtrhythmus gestört. In beiden Fällen beeinträchtigt das Licht die Tiere in ihrer Suche nach Nahrung oder bei der Fortpflanzung und wirkt sich damit auch auf ihr Überleben aus.
Gravierender Einfluss auf verschiedenen Ebenen
Die negativen Auswirkungen der Lichtverschmutzung gelten inzwischen als ein Mitverursacher des weltweiten Insektensterbens und des allgemeinen Rückgangs der Biodiversität. Zum Schutz der Tiere schlagen daher Romain Sordello von der UMS PatriNat in Paris und seine Kollegen ein weltweites Netz von Schutzzonen für den Erhalt der Dunkelheit in der Nacht vor. Sie haben auf der Basis vorangegangener Studien bekannte negative Effekte von Licht zusammengetragen und anschließend Lösungen für die Etablierung einer sogenannten dunklen Infrastruktur ausgearbeitet.
Wie die Forscher erklären, beeinflusst das künstliche Licht bei Nacht das Leben auf verschiedenen Ebenen – von den Genen einzelner Individuen bis hin zu ganzen Ökosystemen. Beispielsweise senkt es den Melatoninspiegel in vielen Organismen, sodass sie Tag- und Nachtrhythmen schlechter synchronisieren können. „Künstlichem Licht ausgesetzte Kohlmeisen haben durchschnittlich 49 Prozent weniger Melatonin als die nachtaktiven Vögel, was zu einer Veränderung der angeborenen Immunantwort führt“, erklären Sordello und seine Kollegen. Auch die Mobilität von Tieren kann eingeschränkt werden: Beispielsweise Vögel, die sich nachts an natürlichen Lichtquellen wie dem Mond, der Milchstraße oder anderen Sternen orientieren, können durch das künstliche Licht ihre räumlichen Anhaltspunkte verlieren.
Dunkle Refugien für die Tierwelt
Doch trotz der bekannten und vermuteten ökologischen Auswirkungen ist Lichtverschmutzung selbst in Naturschutzgebieten bislang kein Bewertungskriterium. So hat sich gezeigt, dass zwischen 1992 und 2010 die dunklen Flächen in Europa um 15 Prozent abgenommen haben, auch in den Schutzgebieten. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, sollten sich zukünftige Maßnahmen gegen die Lichtverschmutzung an den bereits existierenden grünen Infrastrukturen orientieren, so der Vorschlag des Forschungsteams. Dies sind Netzwerke von Gebieten, die so gestaltet und verwaltet werden, dass sie zur Erhaltung der biologischen Vielfalt und Stabilisierung von Ökosystemen beitragen.





