Sie verursachen jedes Jahr Verwüstungen biblischen Aufmaßes: Gewaltige Schwärme von Wanderheuschrecken suchen vor allem Teile Afrikas und des Nahen Ostens heim und fressen auf den Feldern alles kurz und klein. Die wabernden Formationen können riesige Gebiete bedecken und viele Millionen von Insekten umfassen. Die einzige wirksame Waffe gegen diese Bedrohung der Landwirtschaft ist bisher das Versprühen von Pestiziden aus der Luft. Aber diese Maßnahmen sind oft nicht ausreichend und haben schädliche Nebenwirkungen. Bessere und gleichzeitig schonendere Bekämpfungsstrategien sind deshalb gefragt.
Was führt zur Schwarmbildung?
Ideal wären dabei Möglichkeiten zur Unterdrückung der Schwarmbildung, denn sie repräsentiert die Grundlage des katastrophalen Potenzials der Insekten. Wanderheuschrecken beginnen ihr Leben als unproblematische Einzelgänger. Doch dann können die Tiere unter bestimmten Umständen plötzlich mutieren: Sie beginnen sich zusammenzuschließen und immer größere Gruppen zu bilden. Dabei wechseln sie auch ihre Farbe von grün zu schwarz. Die wachsenden Einheiten zeigen dann ein synchronisiertes Verhalten und bilden schließlich die gewaltigen Armeen, die sich schwirrend und mampfend durch die Landschaft bewegen.
Doch was löst diese Verwandlung vom Einzelgänger zum Schwarmtier aus? Forscher gehen seit langem davon aus, dass ein Geruchsstoff – ein sogenanntes Pheromon – dabei eine wichtige Rolle spielt. Doch bisher konnte kein Molekül identifiziert werden, das die Kriterien eines solchen Aggregations-Pheromons erfüllt. Im Rahmen ihrer Studie haben die Forscher um Xiaojiao Guo von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking nun 35 Verbindungen untersucht, die von der Wanderheuschreckenart Locusta migratoria abgegeben werden. Sie führten dazu zunächst Versuche durch, um zu überprüfen, ob eine dieser Substanzen das Verhalten der Tiere beeinflusst.
Es zeigte sich: Eine flüchtige Substanz mit der Bezeichnung 4-Vinylanisol zog männliche und weibliche Heuschrecken sowohl im juvenilen als auch im adulten Entwicklungsstadium gleichsam magisch an. Zudem wurde deutlich, dass die Konzentration der Substanz in der Luft zunahm, wenn die Dichte der Heuschreckengruppen anstieg. Somit lag nahe, dass 4-Vinylanisol eine Rolle bei der Auslösung der positiven Feedback-Schleife spielt, die zur Ansammlung der Heuschrecken führt. In einem weiteren Experiment konnten die Wissenschaftler dann auch zeigen, was am Anfang des Prozesses steht: Wenn vier bis fünf Heuschrecken in engen Kontakt zueinander kommen, wird die Produktion des Pheromons ausgelöst.





