Die Ordnung der Primaten ist eine der größten unter den Säugetieren – und eine enorm vielfältige. Zu ihnen gehören Winzlinge wie der nur 30 Gramm schwere Mauslemur Microcebus berthae, aber auch Riesen wie die bis zu 200 Kilogramm schweren Gorillas. Die 504 rezenten Primatenarten leben heute vorwiegend in Afrika, Madagaskar, Asien und im tropischen Südamerika. Ihr Lebensraum ist meist der tropische Regenwald, es gibt aber auch Bewohner der Savanne, der Gebirge und sogar von Wüsten. In allen diesen Ökosystemen spielen die Primanten eine wichtige Rolle: “Primaten sind von zentraler Bedeutung für die tropische Artenvielfalt und für viele Ökosystemfunktionen, -prozesse und -dienste”, betonen Alejandro Estrada von der Nationalen Autonomen Universität Mexiko und seine Kollegen. “Außerdem sind sie unsere engsten lebenden Verwandten und liefern uns damit entscheidende Einblicke in die menschliche Evolution, Biologie und das Verhalten. Sie spielen zudem eine wichtige Rolle in den Lebensweisen, Kulturen und Religionen vieler Gesellschaften.” Doch all das hindert uns Menschen nicht daran, unsere so wichtigen Verwandten nach und nach immer weiter zu dezimieren.
Wie es um die Primaten weltweit bestellt ist und ob sie noch eine Zukunftschance haben, hat nun eine internationale Forschergruppe um Estrada untersucht. Für ihre Studie werteten sie zum einen die Daten der Roten Listen von der International Union for the Conservation of Nature (IUCN) und von wissenschaftlichen Veröffentlichungen zum, Bestand der verschiedenen Primatenarten aus. Zum anderen analysierten die Forscher die Entwicklung der Landnutzung, der Entwaldung, der Wilderei und weiterer Gefahren in den Regionen, in denen Primaten leben. Herausgekommen ist die bisher umfassendste Bestandsaufnahme zur Lage der Tiergruppe, zu der auch wir und unsere Vorfahren gehören.
Rückgang bei drei Vierteln der Bestände
Das Ergebnis: “Erschreckenderweise sind inzwischen rund 60 Prozent der Primatenarten vom Aussterben bedroht”, berichten die Forscher. “Bei rund 75 Prozent der Arten gehen die Bestände stark zurück.” Dieser Schwund trifft nicht nur bekannte Ikonen des Artenschutzes wie die Berggorillas, Orang-Utans oder andere Menschenaffen. “Von vielen Lemuren, Affen und Menschenaffen, darunter dem ringschwänzigen Lemur, dem Udzunga Kolobusaffen oder dem in China heimischen Schwarzen Stumpfnasenaffen gibt es nur noch wenige tausend Einzeltiere”, berichtet Koautor Paul Garber von der University of Illinois. “Im Fall des Hainan-Gibbons sind sogar nur noch weniger als 30 Tiere übrig.” Am meisten bedroht sind die Primaten in Madagaskar, hier kämpfen 87 Prozent der Arten um ihr Überleben, wie die Studie ergab. In Asien sind es 73 Prozent und in Afrika und den südamerikanischen Tropen jeweils 36 Prozent. “Angesichts der großen Zahl der Primatenarten, die zurzeit bedroht sind oder deren Bestände schrumpfen, wird die Welt bald ein großes Massenaussterben erleben, wenn nicht sofort effektiv gehandelt wird”, warnen die Forscher. In 25 Jahren könnten bereits viele Primaten für immer von der Erde verschwunden sein.





