Kein Tier auf der Erde ist größer: Mit einer Länge von 33 Metern und einer Masse von bis zu 200 Tonnen ist der Blauwal ein wahrer Koloss. Doch auch die anderen Vertreter der Bartenwale sind schwimmende Riesen. Selbst der kleinste unter ihnen, der Zwergglattwal, wird immerhin noch sechs Meter lang. Diese Körperausmaße sind angesichts der eher winzigen Beutetiere der Bartenwale erstaunlich. Die Meeressäuger filtern Plankton und Krill aus dem Wasser und haben sich trotzdem zu den Schwergewichten der Meere entwickelt. Ihre Überdurchschnittlichkeit in Sachen Größe und Gewicht bringt den Bartenwalen entscheidende Vorteile: Sie können große Energiereserven anlegen und so zum Beispiel lange Migrationsrouten meistern, auch wenn Nahrung streckenweise Mangelware ist. “Obwohl sie eine ihrer fundamentalen Merkmale ist, wird die Körpermasse in Studien zur Physiologie und Ökologie der Bartenwale selten berücksichtigt”, sagt Fredrik Christiansen von der Universität Aarhus in Dänemark.
“Fliegende Augen” als Hilfe
Das hat einen einfachen Grund: Forschern fehlen die entscheidenden Informationen. Wie sollte man die Kolosse in ihrem natürlichen Lebensraum auch wiegen? Die einzigen konkreten Daten zur Größe und Masse von Bartenwalen stammen bisher von Untersuchungen toter Individuen, die gestrandet, in Fischernetzen verendet oder gezielt gefangen worden sind. Sie verraten jedoch nichts darüber, wie sich die Körperausmaße eines Wals im Laufe seines Lebens verändern, welche Faktoren sein Wachstum beeinflussen und welche Rolle Größe und Masse für seine Überlebenschancen spielen. All dies ließe sich nur herausfinden, wenn lebende Wale im Meer vermessen werden könnten – und genau dafür haben Christiansen und seine Kollegen nun eine Methode entwickelt.
Entscheidende Hilfe leisteten den Wissenschaftlern dabei Drohnen: Sie nutzten die Flugobjekte, um vor der Küste der argentinischen Halbinsel Valdés Fotos von 86 Südkapern (Eubalaena australis) anzufertigen – darunter erwachsene Wale, Jungtiere und neu geborene Kälber. Mithilfe der Aufnahmen, die die “fliegenden Augen” von den unterschiedlichen Körperseiten der Meeressäuger gemacht hatten, bestimmten sie anschließend die Länge, Breite und Höhe der einzelnen Tiere. Diese Messungen dienten ihnen dann dazu, die Körperform und das Körpervolumen der Wale am Computer zu rekonstruieren. Doch wie viel brachten die Kolosse auf die Waage? Um dies herauszufinden, wendeten die Forscher ihr Modell auf gefangene Wale an, von denen die Masse bekannt war. So identifizierten sie schließlich eine Formel, mit der sich von dem Körpervolumen auf die Masse schließen lässt. “Auf diese Weise konnten wir das Körpergewicht der von unseren Drohnen fotografierten Wale abschätzen”, erklärt Christiansen.





