Eineinhalb Kilogramm. So viel bringt das großformatige Buch „Homecamp“ auf die Waage, in dem das australische Herausgeber- und Ehepaar Stephanie und Doron Francis rund drei Dutzend Geschichten von Aussteigern auf Zeit – man kann sagen: abfeiert. In kurzen Protokollen und Interviews, garniert mit opulenten Bildern, lassen sie Menschen zu Wort kommen, die aus ihrem Bürojob-Feierabend-Alltagstrott abgebogen sind und die Ausfahrt ins Abenteuer genommen haben: ins Langstreckenwandern, in die halbjährige Radtour und, immer wieder, in ein jahrelanges Leben im Campingbus. Die Erweckungs- und Erleuchtungsgeschichten über die Freuden des Unterwegsseins ähneln sich bisweilen ein bisschen. Aber das belegt ja nur: Das Mehr an Ausgeglichenheit, an Zufriedenheit, an Glück, welches das Weniger an digitaler Vernetzung, an Verpflichtungen und Ballast aller Art mit sich bringt, ist für jeden, der diesen Schritt geht, erlebbar. „Wartet nicht auf eure beste Freundin oder euren Lebenspartner. Tut es einfach!“, so eine junge Frau, die aus ihrer Wohnung in einen alten Schulbus gezogen ist und das Grundgefühl des Buchs in wenige Worte packt. „Springt ins kalte Wasser; zurückrudern könnt ihr immer noch.“ Das Buch, das Anregung zum Aufbruch sein will, muss, wenn es losgeht, freilich zurückbleiben. Eineinhalb Kilo. Das wäre in einem Leben auf Achse wirklich zu viel Ballast.
Doron und Stephanie Francis
Homecamp – Vom Aufbrechen, Freisein und Ankommen
Dumont. 272 Seiten, 34,90 €





