Insekten sind die wichtigsten Bestäuber für unsere heimische Pflanzenwelt: Rund 80 Prozent der Vegetation sind für ihre Fortpflanzung auf die Dienste von Bienen, Schmetterlingen und Co angewiesen. Ohne diese Bestäuber gäbe es bei uns kaum Obst oder Gemüse. Doch die Vielfalt und Zahl dieser so wichtigen Helfer nimmt ab. Bei Schmetterlingen und Wildbienen registrieren Forscher schon länger alarmierende Rückgänge.
Auch Alltagsbeobachtungen wecken Sorge: “Früher mussten wir Autoscheiben nach ein oder zwei Stunden Fahrt wieder von Insekten säubern und an Straßenlaternen flogen massenhaft Insekten. Heute ist das meist nicht der Fall”, berichtet der Landesvorsitzende des NABU NRW, Josef Tumbrinck. “Diese Beobachtungen wurden mir vielfach aus allen Regionen des Landes mitgeteilt.”
Gravierender Schwund
Ob solche Beobachtungen nur Einzelfälle sind oder sich ein allgemeiner Trend abzeichnet, hat nun ein internationales Forscherteam in einer Langzeitstudie untersucht. Über 27 Jahre hinweg fingen die Wissenschaftler in 63 deutschen Naturschutzgebieten fliegende Insekten in einer sogenannten Malaisefalle und bestimmten die Biomasse der täglichen Fänge. Zusätzlich bezogen die Forscher Wetterdaten sowie die Landnutzung im Umfeld der Naturschutzgebiete und die pflanzliche Artenvielfalt des jeweiligen Habitats mit ein.
Das erschreckende Ergebnis: In den letzten 27 Jahren ist die Biomasse der fliegenden Insekten um 76 Prozent zurückgegangen. Im Hochsommer erreichte der Schwund sogar Werte bis zu 82 Prozent – und das in den eigentlich noch als relativ ökologisch intakt geltenden Naturschutzgebieten. Die Wissenschaftler vermuten, dass der Insektenschwund in den intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebieten Deutschlands noch schlimmer ist.
“Kurs auf ein ökologisches Armageddon”
Und dieser Insektenschwund betrifft nicht nur Deutschland: Schon zuvor haben Langzeit-Untersuchungen aus anderen Ländern Hinweise darauf geliefert, dass auch dort die Insektenbestände zurückgehen. In Europa gibt es zudem einen eklatanten Rückgang von Singvögeln, den Wissenschaftler auf Nahrungsmangel zurückführen: Den Piepmätzen fehlen die Beuteinsekten.
“Insekten machen etwa zwei Drittel allen Lebens auf der Erde aus. Wie es scheint, machen wir große Landstriche unbewohnbar für die meisten Formen des Lebens, und befinden uns gegenwärtig auf dem Kurs zu einem ökologischen Armageddon”, warnt Mitautor Dave Goulson von der Sussex University. “Bei dem derzeit eingeschlagenen Weg werden unsere Enkel eine hochgradig verarmte Welt erben.”





