Unsere moderne Abwasserinfrastruktur basiert auf einem System, das enorme Mengen an Wasser verbraucht, Energie kostet und Nährstoffe buchstäblich den Abfluss hinunterspült. Auch bei mobilen und abgelegenen Sanitärlösungen ohne Wasserzugang sieht es nicht besser aus: Sie setzen stattdessen auf Formaldehyd und andere Chemikalien, die in den Abfällen giftige Rückstände hinterlassen. Weltweit suchen Forschende daher nach umweltfreundlicheren Toilettenalternativen.
Eine wasserlose Toilette mit Myzelantrieb
Eine solche „Toilette der Zukunft“ haben nun Forschende um Joseph Dahmen von der kanadischen University of British Columbia vorgestellt. Ihre „MycoToilet“ ist die weltweit erste wasserlose Toilette, die mit Pilzgeflecht arbeitet. Sie verwandelt menschliche Ausscheidungen mithilfe von Myzel – dem unterirdischen Geflecht von Pilzen – in nährstoffreichen Kompost. Dabei kommen weder Wasser noch Strom oder chemische Zusätze zum Einsatz. Pro Jahr kann die Anlage so rund 600 Liter Erde und 2.000 Liter Flüssigdünger erzeugen.
„Pilze sind sehr gut darin, Biomasse, einschließlich menschlicher und tierischer Abfälle, zu zersetzen“, erklärt Dahmens Kollege Steven Hallam. „Sie produzieren Enzyme, die das Material in einfachere Verbindungen umwandeln und mikrobielle Gemeinschaften unterstützen, die die Zersetzung beschleunigen.“ Auf genau diesen Prozess setzt auch die MycoToilet: Im Inneren trennt das System flüssige von festen Abfällen. Die festen Bestandteile gelangen in eine mit Myzel ausgekleidete Kammer, wo Pilze Gerüche absorbieren und das organische Material abbauen. Labortests zeigen, dass diese Myzelkammern mehr als 90 Prozent der geruchsbildenden Verbindungen beseitigen können.
Umweltfreundlich, barrierefrei, wartungsarm
Auch äußerlich ist die Toilette mit Pilzantrieb nachhaltiger als herkömmliche Sanitäranlagen. Ihre modulare Struktur besteht aus vorgefertigten Holzpaneelen, die sich leicht transportieren und zusammensetzen lassen. Die Außenhülle aus verkohltem Zedernholz ist witterungsbeständig und wirkt antimikrobiell, während ein begrüntes Dach die lokale Pflanzen- und Tierwelt unterstützt. Ein energiesparender Ventilator sorgt für Frischluft und verhindert die Bildung unangenehmer Gerüche. Zudem erfordert die MycoToilet nur vier Wartungsarbeiten pro Jahr und ist barrierefrei.
„Wir haben das gesamte System in ein architektonisch ansprechendes Paket geschnürt, das eine angenehme Erfahrung bietet, gut riecht, gut aussieht und nahtlos funktioniert“, sagt Dahmen. In einem sechswöchigen Pilotprojekt soll die Funktionsweise der neuartigen Toilette nun unter realen Bedingungen getestet werden. In Zukunft könnte die MycoToilet dann zum Beispiel in Parks und abgelegenen Regionen eine kostengünstige und nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Toiletten darstellen.
Quelle: University of British Columbia





