Eindrucksvoll hatte zunächst René Ngongo, Träger des “Alternativen Nobelpreises”, in einer “Botschaft des Südens” den 160 Teilnehmern im Saal vor Augen geführt, welche Folgen unsere “normale” Art des Wirtschaftens hat: Die Regenwälder des Kongo – sie sind nach dem Amazonas die zweitgrößten der Welt – werden weiter abgeholzt, weil sich Großkonzerne und ausländische Investoren in Zusammenarbeit mit der nationalen Regierung über die Naturschätze hermachen dürfen. Und weil viele Verbraucher nicht danach fragen, ob die Tropenhölzer, aus denen ihre Gartenmöbel oder Fensterläden hergestellt worden sind, nicht doch aus Raubbau stammen. Gleiches gilt für Handys und Computer: Kaum jemand frage danach, unter welchen Bedingungen die seltenen Erden abgebaut worden sind, die für ihren Betrieb unerlässlich sind.
Wie erfolgreich man gegen Raubbau vorgehen kann, zeigt das Beispiel Bremen: Die Stadt wurde im vergangenen Jahr zur Hauptstadt des fairen Handels gekürt. “In Bremen ist es uns gelungen, das Thema fairer Handel aus der Nische in die Mitte der Gesellschaft zu befördern”, sagte Ulrike Hiller, Mitglied der Bremer Bürgerschaft und vor Ort eine der treibenden Kräfte in Sachen “Fair Trade”: “Wir haben viele Akteure der Stadt für den Gedanken des fairen Handels gewonnen, von denen man es nicht erwartet hätte.” Das beginnt beim Werder-Fan-Club, der seinen Mitgliedern gezeigt hat, dass Fußbälle oft durch Kinderhände gefertigt werden und jeder beim Kauf eines Balls nach seiner Herkunft fragen sollte. Und es endet bei den Beschaffungsrichtlinien der Stadt Bremen, die nicht nur Tropenhölzer untersagen, sondern auch beim Kauf von neuen Computern Unternehmen bevorzugen, die das Thema “Seltene Erden” im Blick haben. “Wir können nicht darauf warten, bis ein Computer komplett fair gehandelt wird, aber wir müssen damit anfangen, auf die ganze Lieferkette zu schauen”, sagt Ulrike Hiller.
Selbst Valentin Thurn, der mit seinem Dokumentarfilm “Taste the Waste” unseren Umgang mit Lebensmitteln anprangert, weil hierzulande die Hälfte aller Lebensmittel vernichtet werden, konnte während der Nachhaltigkeitskonferenz auf positive Ansätze verweisen: Das neue Projekt “Foodsharing”, das von dem Filmemacher initiiert wurde, macht uns allen klar, dass jeder etwas dazu beitragen kann, weniger Lebensmittel zu vernichten. Bäcker haben sich reihenweise gemeldet, die ihre nicht verkauften Brote und Backwaren an Bedürftige weitergeben wollen”, freut sich Valentin Thurn. “Einzelne Supermärkte geben das ab, was sie bislang noch in gutem Zustand in die Tonne geworfen haben. Und Bürger leeren ihre Kühlschränke für das Projekt, bevor sie in Urlaub fahren.” Wie wichtig es ist, dass die ganze Gesellschaft zum Umdenken kommt, zeigt ein Blick auf die Energiebilanz: Lebensmittelmüll ist für 15 Prozent der globalen Methan-Emissionen verantwortlich. Seine Halbierung würde so viele Klimagase einsparen wie die Stilllegung jedes zweiten Autos.





