Der rund 1,7 Zentimeter große Ameisenlöwe – Larve der zu den Netzflüglern gehörenden Ameisenjungfer – gehört zu den effektivsten Fallenstellern im Tierreich. Als Falle dient ihm ein in den sandigen Boden gegrabener Trichter, der meist rund drei Zentimeter tief und oben rund acht Zentimeter breit ist. Mit vollem Körpereinsatz braucht der kleine Krabbler nicht einmal 30 Minuten, um eine solche Fallgrube auszuheben. Dabei schiebt er sich, mit seinem borstigen Hinterteil voran, in kreisenden Bewegungen durch den Sand. Durch reflexartige Bewegungen mit seinem Kopf und den riesigen Mundwerkzeugen schleudert er Sandkörner und anderen Unrat wie Blättchen und Zweige bis zu 30 Zentimeter weit weg. Ist der Trichter fertig, wartet der Ameisenlöse an dessen Grund auf Ameisen und andere Insekten. Haben diese einmal den losen Sand der Falle betreten, rutschen sie mit einer Lawine aus losem Sand den Hang hinunter – direkt auf die Beißklauen des Jägers zu.
Sortierter Sand
So weit, so bekannt. Aber was macht diese Trichterfallen so effektiv? Nutzen die Ameisenlöwen womöglich spezielle Techniken, die ihre Sandtrichter besonders rutschig und damit tödlich machen? Um das herauszufinden, haben Nigel Franks von der University of Bristol und sein Team 16 Ameisenlöwen der Art Euroleon nostras zum “Probebauen” ins Labor geholt. In ihrem Experiment stellten die Forscher ihren kleinen Probanden eine Sandmischung aus Körnern in drei Größen und Färbungen zur Verfügung: feinen hellen Sand, mittelgroße schwarze Silikatkörner von ein bis zwei Millimetern Durchmesser und schließlich bläuliche, bis zu drei Millimeter große Körner. Dann setzten sie jeweils einen Ameisenlöwen in die Mitte dieser Sandflächen und beobachteten, wie er darin seinen Trichter baute.
Dabei zeigte sich Überraschendes: Statt den überschüssigen Sand eher zufällig aus dem Trichter auszuschleudern, flogen vornehmlich die größten, bläulichen Sandkörner von der Baustelle nach außen, wie die Forscher beobachteten. “Das ist fast wie ein Zaubertrick: Er wirft viel mehr große Körner heraus als eigentlich da sind”, sagt Franks. Offensichtlich wählt der Ameisenlöwe ganz gezielt die größeren Sandkörner aus. “Nach Vollendung des Trichters waren im ausgeworfenen Sand 1,4 Mal mehr große Körner als man anhand der Anfangsmischung erwarten würde”, berichten die Forscher. “Dafür waren die Trichterwände fast ausschließlich mit sehr feinem Sand bedeckt.”
Konstruktion mit physikalischer Raffinesse
Erst diese Auskleidung der Trichterwände mit besonders feinem Sand macht die Falle des Ameisenlöwen besonders rutschig. Denn ein physikalischer Effekt sorgt dafür, dass kleinere Körner an geneigten Hängen leichter ihren Halt verlieren als größere. “Große Körner können in steileren Lagen stabiler bleiben als kleinere”, erklären die Forscher. Doch wie schafft es der Ameisenlöwe, beim Trichterbau so schnell die großen Körner auszusortieren? Auch dabei hilft ihm ein physikalischer Effekt, kombiniert mit seiner speziellen Bautechnik. Denn die Insektenlarve gräbt sich von außen beginnend in spiraligen Rillen zur Mitte des Trichters hin. Dabei rutschen vom Rand seiner Grabspur immer wieder Sandlawinen in seinen Weg. Weil größere Körner dabei am weitesten rutschen, sammeln sie sich bevorzugt in der Mitte der Rille – genau dort, wo der Ameisenlöwe Sand aufnimmt und wegschleudert.





