Text: Kurt de Swaaf
Flott sind sie, das steht außer Frage. Mit bis zu 35 Stundenkilometern flitzen Kalmare durch die Weltmeere und entkommen dabei so manch hungrigem Maul. Geschwindigkeiten wie diese verdanken die Tintenfische vor allem ihrem leistungsfähigen Düsenantrieb: Zuvor im Körper aufgenommenes Wasser wird mit Druck über eine schlauchartige Öffnung wieder ausgestoßen und gibt dem Tier Schub. Diesen Mechanismus nutzen die flinken Mollusken allerdings nicht nur zur Flucht oder beim Beutefang. Kalmare gelten generell als hoch mobil; einige Spezies legen auf ihren Wanderungen leicht Hunderte von Kilometern zurück.
Lebensraum Nordsee
Inzwischen treten Tintenfische in deutlich steigenden Zahlen auch in der Nordsee auf. Die Öffentlichkeit hat von den Neuankömmlingen bisher kaum Notiz genommen, doch die Tiere könnten das maritime Ökosystem erheblich beeinflussen. Fachleute haben somit Grund genug, die Entwicklung genauer zu beobachten. Der vermehrte Zuzug der Kopffüßer ist in erster Linie eine Folge des Klimawandels, erklärt die Meeresbiologin Anne Sell vom Thünen-Institut für Seefischerei in Bremerhaven. Viele Tintenfischarten mögen’s eher behaglich warm. Dank der global steigenden Wassertemperaturen können sie problemlos in neue Gefilde vordringen, die Nordsee inklusive. Diese Weichtiere, auch Cephalopoden genannt, sind dort übrigens nicht die einzigen Neuankömmlinge. Verschiedene Fischspezies wanderten ebenfalls in den vergangenen Jahrzehnten aus dem Süden ein. Wolfsbarsche (Dicentrarchus labrax) zum Beispiel kamen früher nur selten nördlich der belgischen Küste vor, heute stellen Angler ihnen sogar gezielt im Oslofjord nach. Die wärmeliebenden Flossenträger profitieren ganz klar von der Erwärmung. Seit 1920 ist die durchschnittliche Temperatur des Oberflächenwassers in der Nordsee um mehr als ein Grad Celsius angestiegen. Das mag nicht viel erscheinen, aber die Auswirkungen sind signifikant.
Gewachsene Tintenfischbestände betreffen bisher fast nur Kalmare – zehnarmige Arten, die mitunter stattliche Größen erreichen. Einer von ihnen ist Loligo forbesii, zu Deutsch Nordischer Kalmar. Er kann mit Kopf und Tentakeln über einen Meter lang und bis zu 1,5 Kilo schwer werden. Andere, wie der Marmorierte Zwergkalmar, Alloteuthis media, bleiben mit bis zu 20 Zentimetern Länge deutlich kleiner. Allen gemein ist jedoch ihre pfeilförmig anmutende Gestalt, zu der zwei dreieckige Flossen am Körperende gehören. Die acht Arme und zwei Tentakel bilden einen Kreis rund um das Maul, welches mit einem kräftigen Schnabel zum Zerkleinern der Beute ausgestattet ist. Kalmare fressen praktisch alles, was sie überwältigen können. Dazu gehören vor allem Fische, Krebse – und durchaus auch andere Kopffüßer, wie Anne Sell berichtet.





