Der Palmenflughund (Eidolon helvum) ist eines der häufigsten Säugetiere Afrikas. Mit seiner Spannweite von bis zu 76 Zentimetern ist dieser Vertreter der Fledertiere kaum zu übersehen. Die Flughunde fressen vorwiegend Früchte und spielen deshalb als Samenverbreiter eine wichtige Rolle für viele Pflanzen. Damit tragen sie besonders stark zur natürlichen Wiederaufforstung entwaldeter Gebiete bei. Dies gilt umso mehr, als dass die Palmenflughunde saisonale Wanderer sind: Sie können mehr als zweitausend Kilometer zurücklegen, um der Trockenzeit auszuweichen.
Massentreff im Kasanka-Nationalpark
“Palmenflughunde sind die heimlichen Gärtner Afrikas”, erklärt Dina Dechmann vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Radolfzell. “Sie verbinden den Kontinent auf eine Weise, wie es kein anderer Samenverbreiter tut. Ein Verlust der Art wäre verheerend für das Ökosystem. Wir müssen also dringend wissen, ob die Population abnimmt.” Eine Chance, dies festzustellen, ist es, die Größe der Palmenflughund-Kolonien zu zählen. Denn zu bestimmten Zeiten im Jahr finden sich diese Fledertiere zu großen Gruppen zusammen und bilden dann einige Monate lang eine gigantische Flughundkolonie. Eine dieser Kolonien bildet sich jedes Jahr im November in einem Wäldchen im Kasanka-Nationalpark in Sambia.
Diese alljährliche Versammlung der Palmflughunde gilt als die größte Flughundkolonie Afrikas. Doch bisher ist es Wissenschaftlern nicht gelungen, die Zahl der Tiere in dieser Kolonie zu zählen. Die Schätzungen schwanken zwischen einer und zehn Millionen. Deshalb haben nun Dechmann, Erstautor Benjamin Koger vom MPI und ihre Kollegen eine KI-gestützte, automatisierte Methode dafür entwickelt und getestet. “Wir hatten befürchtet, dass die automatisierte Zählung unerschwinglich sein könnte, weil man zur Überwachung einer so riesigen Kolonie wie der von Kasanka ausgefeilte Technologie und viel Ausrüstung benötigt”, sagt Koger.
Volkszählung für Flughunde
Doch wie sich zeigte, reichte für die Volkszählung unter den Palmenflughunde auch eine ganz einfache Ausstattung: Das Team stellte neun GoPro-Kameras in regelmäßigen Abständen um die Kolonie auf und filmte die Flughunde, wenn diese ihre Schlafplätze in der Abenddämmerung verließen. Koger trainierte dann Deep-Learning-Modelle darauf, die Tiere in den Videos zu erkennen und zu zählen. Vergleiche mit manuellen Stichproben-Zählungen ergaben, dass die künstliche Intelligenz es schaffte, rund 95 Prozent der Flughunde zu erfassen. Die Methode lieferte sogar bei Dunkelheit zuverlässige Ergebnisse. “Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich die Flughunde der Kolonie mit preisgünstigen Kameras und unserer Software sehr genau erkennen und zählen lassen. Das ist enorm wichtig für die künftige Überwachung der Kolonie”, sagt Koger.





