Alle zwei Jahre veröffentlicht das Umweltbundesamt einen Projektionsbericht, in dem es die Entwicklung der Treibhausgasemissionen in Deutschland bis 2030 vorhersagt. Der Bericht soll der Politik als Orientierung beim Beschließen neuer Maßnahmen dienen und ihr dabei helfen, die selbstgesteckten Klimaziele zu erfüllen. Konkret will Deutschland bis zum Jahr 2030 insgesamt 65 Prozent weniger CO2 emittieren als noch 1990. Bis 2045 soll das gesamte Land sogar gänzlich klimaneutral sein.
Zwei Zukunftsszenarien
Für den Blick in die Zukunft ist ein Expertengremium verschiedener deutscher Forschungseinrichtungen zuständig. Es orientiert sich bei seinen Projektionen an aktuellen Daten zu fossilen Brennstoffen und Emissionen und rechnet diese dann zusammen mit verschiedenen Rahmendaten wie der Bevölkerungsentwicklung oder dem CO2-Preis bis 2030 hoch. Am Ende entstehen so zwei verschiedene Zukunftsszenarien: ein Mit-Maßnahmen-Szenario (MMS), das alle politischen Maßnahmen berücksichtigt, die bis zum 31. August 2022 beschlossen wurden, und ein Mit-Weiteren-Maßnahmen-Szenario (MWMS), das alle geplanten Instrumente und Maßnahmen enthält, die eine realistische Chance haben, in naher Zukunft verabschiedet zu werden.
Klimaziele und Klimaneutralität so nicht erreichbar
Im aktuellen erschienenen Projektionsbericht 2023 stellt das Expertengremium der Politik allerdings ein schlechtes Zeugnis aus. Zwar habe Deutschland in den vergangenen zwei Jahren schon deutliche Fortschritte gemacht, doch die werden zur Erfüllung der Klimaziele nicht ausreichen, so der Report. Die Hochrechnung zeigt: Mit den aktuell beschlossenen Klimaschutzmaßnahmen würde Deutschland bis 2030 nur 63 statt 65 Prozent Treibhausgase im Vergleich zu 1990 einsparen. Und somit knapp an seinem selbstgesteckten Klimaziel vorbeischrammen.
Auf den ersten Blick wirkt diese geringe Diskrepanz, als sei sie zu vernachlässigen, doch in der Realität entspricht sie einem Überschuss von bis zu 331 Millionen Tonnen Treibhausgasen. Selbst wenn die Regierung zeitnah weitere Maßnahmen beschließt (MWMS-Szenario), schrumpft der Überschuss auf 194 Millionen Tonnen, wird aber nicht beseitigt. Auch von einer Klimaneutralität im Jahr 2045 ist Deutschland laut Projektionsbericht noch weit entfernt. Mit den aktuell beschlossenen Maßnahmen würden bis dahin noch 212 Millionen Tonnen Treibhausgase jährlich in die Atmosphäre emittiert und selbst mit weiteren Maßnahmen wären es noch 157 Millionen Tonnen.
Nachholbedarf bei Verkehr und Gebäuden
Die größten deutschen Sorgenkinder sind laut Projektionsbericht die Verkehrswirtschaft und der Gebäudesektor. Den aktuellen Hochrechnungen zufolge wird der Verkehrssektor seine Emissionsziele bis 2030 konsequent jedes Jahr verfehlen. Das führen die Autoren vor allem auf einen Mangel an E-Autos zurück. Werden keine weiteren Maßnahmen beschlossen, um die Emissionen des Verkehrssektors zu minimieren, baut allein dieser Bereich bis zum Jahr 2030 einen Überschuss von 210 Millionen Tonnen Treibhausgasen auf. Hinzu kommt der Überschuss des Gebäudesektors, der zwischen 34 und 96 Millionen Tonnen liegen wird. Um diesen Bereich auf Kurs zu bringen, müsste ein Großteil der neueingebauten Heizungen klimafreundlich arbeiten. In Frage kämen zum Beispiel Wärmepumpen oder Fernwärme.





