„Wird das je wieder gut?“, titelte eine bekannte deutsche Tageszeitung im vergangenen Jahr und zeigte Bilder vom großflächigen Baumsterben im Harz. Die Fotos wirken tatsächlich apokalyptisch, doch ein wichtiger Aspekt wurde im Beitrag nur am Rande gestreift: Die Waldwelt an den Hängen von Brocken und Wurmberg ist schon sehr lange nicht mehr in Ordnung, von „gut“ erst gar nicht zu sprechen. Der Massentod der vergangenen Jahre betraf fast ausschließlich Fichten, und die gibt es im Harz lediglich um des Menschen Willen. Man pflanzte sie vermutlich ab dem 18. Jahrhundert als schnellwüchsige Holzlieferanten, vor allem um den Holzbedarf der Erzindustrie zu bedienen. Zu besseren Zeiten gediehen die Nadelbäume dort gut, dann aber kam der Klimawandel. Fichten vertragen keine Trockenheit. Die auf den wissenschaftlichen Namen Picea abies getaufte Baumart war ursprünglich im kühlen Nordeuropa, in den Alpen und den Karpaten heimisch – überall da, wo es genügend Niederschläge gibt.
Regen und Schnee indes werden in vielen Regionen Europas knapper, nicht nur im Süden. Mitunter kommt es auch diesseits der Alpen zu echten Dürreperioden. Und darunter leiden nicht nur die Fichten. Laut der aktuellen Waldzustandserhebung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sind deutschlandweit etwa 80 Prozent der Bäume krank oder geschwächt. Das auffälligste Symptom: Sie verlieren zunehmend Blätter beziehungsweise Nadeln, die Kronen lichten sich. Forstleute, Naturschützer und Teile der breiten Bevölkerung sind inzwischen in großer Sorge. Wird es den sagenumwobenen, geliebten „deutschen Wald“ in Zukunft noch geben? Steht ein Schlüssel-Ökosystem bald vor dem Kollaps, oder lässt sich die Katastrophe vielleicht noch abwenden – und wenn ja, wie?
Christian Ammer, Forstwissenschaftler und Professor für Waldbau und Waldökologie an der Universität Göttingen, sieht keine Alternative zum Wandel. „Die Wälder, die wir jetzt kennen und schätzen, werden sich verändern.“ Unausweichlich. Sie dürften anders strukturiert sein, lichter, und vielleicht nicht mehr alle Anforderungen und Erwartungen erfüllen, meint der Experte. Gerade der letzte Punkt bereitet der Fachwelt Kopfzerbrechen. Wälder sollen heute nicht nur Holz liefern und dank ihrer Schönheit Erholung bieten, sondern auch Wasser binden, Artenvielfalt schützen, Erosion Einhalt gebieten und, ganz wichtig, möglichst viel klimaschädliches CO2 speichern. Zukünftig könnten einige dieser Funktionen ins Stottern geraten, zumal diese in der bisher gängigen Forstpraxis teilweise widersprüchlich sind und manche einander entgegenwirken.
Monokultur-Forste sind eigentlich Plantagen
Früher stand vor allem die Holzproduktion im Fokus. Um diese möglichst auf Hochtouren laufen zu lassen, pflanzte man oft in Massen die besagten Fichten oder, auf sandigen Böden, Waldkiefern der Art Pinus sylvestris. Baum an Baum, Reihe an Reihe überzogen deren Monokulturen riesige Flächen. Bis heute. Aus ökologischer Sicht sind solchen Forste eigentlich keine Wälder, sondern Plantagen.





