Elefanten sind hochsoziale Tiere, allein dass Mädi ohne Artgenossen gehalten wurde, ist bereits Tierquälerei. Auch die erforderliche Genehmigung zur “gewerblichen Zurschaustellung” von Elefanten hatten die Zirkusleute nicht. Mithilfe estnischer Tierschützer informierten wir auch die Behörden in Estland und baten, Mädi zu beschlagnahmen. Doch wie so oft hatten die Behörden nichts zu beanstanden.
Gezeichnet vom Leben im Zirkus: Verletzungen, Narben
Auf Videoaufnahmen aus Mädis letzten Lebenswochen konnten wir sehen, dass sie stark abgemagert war. Sie bewegte sich nur langsam und vorsichtig. Offensichtlich tat ihr jeder Schritt weh. Auf der Haut sind zahlreiche Verletzungen und Narben erkennbar – vermutlich Spuren des Elefantenhakens, ein spitzer Eisenhaken, der zur Dressur von Elefanten eingesetzt wird. Ihr langes Leben im Zirkus, die belastenden Transporte und eine Rüssellähmung, die sie beim Fressen und Trinken behinderten, hatten sie erkennbar körperlich geschwächt.
Sie hätte dringend Schonung und stationäre tiermedizinische Behandlung gebraucht. Eine Tournee konnte sie nicht durchhalten. Am 9. Juni erhielten wir die Nachricht, dass Mädi zwei Tage zuvor in einem See in Estland zusammengebrochen und plötzlich gestorben sei.
Gegenüber der estnischen Presse stellte der Schausteller René R. den Tod von Mädi als tragisches Unglück dar. Er sagte, Mädi habe einen Herzinfarkt erlitten.
Doch Tage später tauchte im Internet ein Video auf, das das ganze Ausmaß von Mädis Leiden zeigte. Ein Badegast hatte Mädis Bad im See gefilmt und wurde unfreiwillig Zeuge von ihrem Todeskampf: 47 Minuten lang hielt er mit der Kamera auf den sterbenden Elefanten. Das Video zeigt wie Mädi langsam und qualvoll ertrinkt, während René R. von ihrem Körper aus Badevorführungen macht.
Anfangs plantscht die Elefantenkuh noch im See, genießt offensichtlich die Erfrischung. Sie legt sich immer wieder auf den Bauch und steht mühelos wieder auf. Dann kommt Renè R. ins Wasser, um auf ihren Rücken zu steigen. Erst in diesem Moment legt sich Mädi seitlich nieder. Doch genau das hätte R. verhindern müssen – denn jetzt liegen Mädis Mund und ihr Rüssel unter Wasser, sie bekommt keine Luft mehr. Weil ihr Rüssel seit langem gelähmt ist, kann sie ihn nicht aus dem Wasser heben. Aus der Seitenlage kann ein gebrechlicher Elefant zudem schwer aufstehen, zumal wenn ein Mensch auf ihm herumspringt. Anstatt rechtzeitig Hilfe zu leisten, sprang R. auf Mädi herum, während sie um ihr Leben kämpfte. Erst als Mädi bereits fast bewegungslos im Wasser lag, hielt R. ihren Rüssel über die Wasseroberfläche. Auch dann konnte sie aber keine Luft holen, weil der Rüssel voll Wasser war. Dass R. während des Todeskampfes Hilfe holte, ist auf dem Video nicht zu erkennen.






