Das erste Fossil eines Homo erectus wurde nicht in Afrika entdeckt, sondern in Asien: Bereits 1891 stieß der Anatom Eugene Dubois auf der Insel Java auf Schädelteile und später auf einen Oberschenkelknochen, die er als Überreste eines ausgestorbenen Menschenaffen interpretierte. Später jedoch wurde klar, dass es sich bei diesen rund eine Million Jahre alten Funden um die Überreste einer ausgestorbenen Menschenart handeln musste – den Homo erectus. Inzwischen belegen weitere Fossilfunde, dass dieser schon vor 1,5 Millionen Jahren auf Java vorkam und dort mehrere hunderttausend Jahre lang lebte. Der bislang jüngste Fundort von Homo-erectus-Fossilien ist das Flusstal Ngandong in Zentraljava. Dort wurden schon zwischen 1931 und 1934 zwölf Schädel und zwei Unterschenkelknochen des Homo erectus gefunden. Es handelt sich um die größte Ansammlung von Homo-erectus-Fossilien weltweit.
Spurensuche an der alten Fundstelle
Doch weil die Homo-erectus-Fossilien von Ngandong damals aus ihrer Fundschicht entfernt worden waren, ließen sie sich nur mit großer Ungenauigkeit datieren. Die Spanne der Datierungen reicht von 40.000 bis zu 546.000 Jahren, wie Yan Rizal vom Institut für Technologie im indonesischen Bandung und seine Kollegen berichten. Wie lange die möglicherweise letzten Vertreter des Homo erectus an diesem Ort lebten, blieb daher unklar – bis jetzt. Denn das internationale Team um Rizal und Seniorautor Russell Ciochon von der University of Iowa hat seit 2008 weitere Untersuchungen an der Fundstelle durchgeführt. Dabei gelang es den Wissenschaftlern, die ursprüngliche Fundschicht der Fossilien zu identifizieren und in ihr zahlreiche Tierfossilien zu finden.
Ausgehend von diesem Durchbruch setzten die Forscher mehrere unterschiedliche Methoden ein, um das Alter dieser Schicht und damit auch der in ihr gefundenen Homo-erectus-Fossilien zu bestimmen. Zum einen datierten sie dafür die Tierfossilien mithilfe der Uran-Blei-Datierung, zum anderen aber führten sie mehrere isotopische Altersbestimmungen der umgebenden Landschaft durch. Darüber konnten sie ermitteln, wann der Fluss erstmals durch das Tal floss und wann sich die Uferbereiche und damit auch die Fundschicht bildeten. Wie die Forscher betonen, war diese neue, genauere Datierung nur deshalb möglich, weil sie auch die Landschaft und ihre geologischen Veränderungen mit in ihre Analysen miteinbezogen. “Dadurch haben wir diese unglaubliche Bandbreite an Daten, die alle miteinander übereinstimmen”, sagt Ciochon.





