Neben Mammut, Wollnashorn und Co reiht sich ein weites Schwergewicht in die Menagerie der eiszeitlichen Megafauna Europas ein: der Höhlenbär (Ursus spelaeus). Er stellte seinen noch heute existierenden Verwandten – den Braunbären (Ursus arctos) – deutlich in den Schatten. Mit einer Länge von etwa 3,50 Metern und einer Schulterhöhe von rund 1,70 Metern war er Meister Petz der Superlative. Doch die Größe war offenbar kein Erfolgsgarant: Im Gegensatz zu seinem parallel vorkommenden „kleinen Vetter“ verschwand der Allesfresser vor rund 25.000 Jahren. Warum ist unklar. Möglicherweise spielte aber auch der Mensch beim Aussterben eine Rolle, denn es gibt Hinweise, dass er Höhlenbären nachstellte.
Ähnlich wie beim Menschen
Die aktuelle Studie belegt nun allerdings erneut, dass das Aussterben einer Art nicht endgültig oder zumindest nicht vollständig sein muss. Bisher ist dies vom Menschen bekannt: In unserem Fall haben archaische Menschenarten – der Neandertaler beziehungsweise der Denisova-Mensch – in uns überlebt. Die bemerkenswerte Stabilität von DNA bildet die Grundlage für diese Nachweise: Es ist möglich, fossilen Überresten genetisches Material zu entlocken, das sich für Analysen eignet. Dadurch wurde letztlich die Rekonstruktion des Erbguts der Neandertaler und der Denisova-Menschen möglich und damit Vergleiche zu heutigen Menschen. So stellte sich heraus: Offenbar haben sich moderne Menschen mit ihren damals noch parallel existierenden Cousins vermischt. Davon zeugen einige Prozente archaischen Erbes in heutigen Menschen außerhalb Schwarzafrikas.
Etwas Vergleichbares hat nun ein internationales Forscherteam im Fall von Braunbär und Höhlenbär festgestellt. Die Ergebnisse basieren auf der Analyse des kompletten Erbguts von vier Höhlenbären aus verschiedenen Regionen Europas – von Spanien bis zum Kaukasus aus dem Zeitraum von vor 71.00 bis 34.000 Jahren. Die Forscher verglichen dieses Erbgut mit DNA- und Genomsequenzen von heutigen Braunbären, sowie amerikanischen und asiatischen Schwarzbären, Brillenbären, Pandas und Eisbären.
Braunbären sind ein „bisschen Höhlenbär“
Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Braunbärgenome Anteile von Höhlenbär-DNA aufweisen. Sie machen demnach zwischen 0,9 bis 2,4 Prozent des Genoms aus. Wie die Forscher berichten, fanden sie auch umgekehrt Braunbär-DNA im Erbgut der Höhlenbären – wenn auch in kleineren Anteilen. Ihnen zufolge spiegelt sich in diesem Ergebnis wider, dass sich beide Arten gekreuzt haben, bevor die Höhlenbären schließlich ausgestorben sind. Offenbar gab es demnach Hybride, die nicht unfruchtbar waren, wie es oft bei Artkreuzungen der Fall ist. Weitere Merkmale im Erbgut bestätigen zudem, dass es zwischen beiden Spezies einen Genfluss gegeben hat, betonen die Wissenschaftler.





