Der Kalte Krieg mag zwar zu Ende sein, aber er hat in der Russischen Arktis ein gefährliches Vermächtnis hinterlassen: in den Sedimenten der Chernaja-Bucht, die zum ehemaligen sowjetischen Kernwaffentestgebiet Nowaja Semlja gehört, wurde von S. Bradley Moran von der University of Rhode Island Graduate School of Oceanography und seinen russischen Kollegen die bisher höchste Konzentration an Plutonium gemessen. Gleichzeitig fanden sie hohe Konzentrationen an radioaktivem Caesium und Kobalt.
Nowaja Semlja ist eine Inselgruppe im Nordpolarmeer und liegt zwischen der Barents- und der Karasee. Zu Zeiten des Kalten Krieges war es eines der Testgebiete für Kernexplosionen. Zwischen 1955 und 1990 explodierten hier mehr als 130 nukleare Bomben. Während auf der nördlichen Insel oberirdische Tests durchgeführt wurden, war die Chernaja-Bucht im Süden das Gebiet zum Test von Unterwasserexplosionen.
Moran und seine Kollegen untersuchten diesen Teil des arktischen Ozeans, um zu sehen wie hoch die Radioaktivität in den Sedimenten der Bucht ist und ob dieses einen Einfluss auf die Nahrungskette und somit Folgen für die russchische Fischfangindustrie hat. Die Wissenschaftler fanden neben Plutonium auch große Mengen an radioaktivem Caesium und Kobalt. Zusätzlich wurde in einigen Organsimen aus den Sedimenten eine erhöhte Plutoniumkonzentration festgestellt.
Gleichzeitig untersuchten die Wissenschaftler, ob die Radioaktivität durch Meeresströmungen bis in die Barentssee transportiert wird und so nordamerikanische Gewässer kontaminieren kann. Obwohl der Wasserfluss aus der Bucht beschränkt ist, konnte in den Ablagerungen der Barentssee Plutonium nachgewiesen werden. Dies bedeutet, dass der Transport – wenn auch eingeschränkt – stattgefunden hat.
Mehr Informationen über Kernexplosionen in Nowaja Semlja finden Sie auf den Seiten der Bellona-Stiftung und auf den Seiten des Forschungszentrums Jülich.
Katja Bammel





