Als wichtiges Argument führen die Befürworter von Delfinarien ins Feld, dass die jährliche Überlebensrate bei Großen Tümmlern in Gefangenschaft heutzutage der Überlebensrate in freier Wildbahn gleichkäme. Das bestätigen auch die letzten Veröffentlichungen dazu. Doch die sind mit Vorsicht zu genießen. Sie liegen nicht nur anderthalb Jahrzehnte zurück, sondern die Ergebnisse sind auch mangelhaft. Die für die Berechnung genutzten Datensätze stammen vom US Marine Mammal Inventory. Deren Daten sind unvollständig, da über das weitere Schicksal der Tiere, die aus den USA exportiert wurden, kaum berichtet wurde. Für Delfine in europäischen Anlagen gibt es überhaupt keine vergleichbaren und öffentlich zugänglichen Daten.
Außerdem muss die regionale Entwicklung der Delfinhaltung einbezogen werden. In Europa boomten Delfinarien in den 70er und 80er Jahren. Das führte zur Entnahme Hunderter Delfine aus der freien Wildbahn. Dies wiederum resultierte in einer extrem hohen Sterblichkeitsrate. Übrig blieben nur jene Tiere, die diesen Prozess überlebten.
Wende bei der Delfinhaltung
Anfang der 90er Jahre änderte sich der Trend, was auf mehrere Gründe zurückzuführen ist:
Zoos, die die Delfinhaltung beendeten, verteilten die Tiere an andere Einrichtungen. So auch in Deutschland. Von neun in den 80er Jahren aktiven Delfinarien sind heute nur noch zwei übrig. Der Grund für den Rückgang von Delfinimporten liegt somit auch darin, dass die Anzahl der Delfinarien sank und Delfine an bestehende Einrichtungen weitergegeben wurden. Fakt ist aber: Wenn man auch in Zukunft Delfine in europäischen Einrichtungen halten möchte, wird man irgendwann “Nachschub” brauchen. Es wird daher wieder zu Importanträgen und Wildfängen kommen – und diese stellen einen Verstoß gegen die europäische Artenschutzgesetzgebung dar.
Tatsächlich Artenschutz?
Befürworter von Delfinarien betonen auch immer wieder, sie würden einen Beitrag für den Artenschutz leisten. Dieses Argument ist in vielerlei Hinsicht irreführend. Denn fortwährende Wildfänge haben negative Auswirkungen auf die lokalen Populationen. Dies gilt etwa für die Schwertwale vor der nordamerikanischen Küste in den 60er und 70er Jahren, aktuell vor Japan und Russland sowie den Fang von Weißwalen in russischen Gewässern, von Großen Tümmlern im Schwarzen Meer, vor den Salomonen, vor Kuba und in anderen Regionen. Zudem schrecken Delfinarien im asiatischen Raum nicht davor zurück, stark gefährdete Irawadi-Delfine zu fangen.





