Text: Kurt de Swaaf
Die Frühsommersonne wandert langsam westwärts, eine laue Brise bringt die Ahornbäume auf der Aussichtsplattform von Gioia Vecchio zum Wispern. Über dem blühenden Wildwuchs am Talrand flattern Schmetterlinge, darunter auch mehrere Schwalbenschwänze, die sich rasante Verfolgungsjagden liefern, in der Ferne ruft ein Kuckuck. Die Kirche San Vincenzo hier oben ist nicht gerade die Sehenswürdigkeit; trotzdem kommen immer wieder Reisende her. Deren Ziel ist auch nicht das recht schmucklose Gotteshaus, sondern die Terrasse dahinter. Dort eröffnet sich in knapp 1.400 Metern Höhe der Blick auf die wunderschöne Berglandschaft des „Parco Nazionale D’Abruzzo, Lazio e Molise“, Italiens zweitältesten Nationalpark. Das dazugehörige Dörfchen Gioia Vecchio beherbergt längst keine Ortsansässigen mehr. Die Häuser werden nur noch als Feriendomizile genutzt, denn Rom ist gerade einmal zwei Autostunden entfernt. So, wie viele der Regionen Südeuropas, wurde auch dieses Gebiet schwer von der Landflucht getroffen.





