Text: Oliver Abraham
Vor einer Viertelmilliarde Jahren war dort, wo heute Salz abgebaut wird und Sole sprudelt, ein großes Meer. Das verdunstete im Laufe dieser langen Zeit – übrig blieb das Salz. Nicht allein Kochsalz, Natriumchlorid, sondern auch alles andere, was im Meerwasser gelöst war: Mineralstoffe und Spurenelemente, konzentriert und kristallin. Erst versank das Salz in der Tiefe der Erde, dann wurde es wie hier beim Bau der Berge mit aufgefaltet. Im Bergwerk Berchtesgaden wird Salz nicht nur abgebaut, hier gibt es, 150 Meter oberhalb der Förderanlagen, auch einen Salzheilstollen. Man erreicht ihn mit dem Zug in den Berg.
Die Luft ist fast allergenfrei
Vom Bahnhof im Berg führt ein Bohlenweg zur Kaverne, zum spiegelglatten See, wo Sole aus kleinen Brunnen plätschert. Dort legt man sich auf Liegen mit Decken und Kissen und atmet. „Der hohe Salzgehalt, die Luftfeuchtigkeit und die nahezu allergenfreie, reine Luft führen nicht nur zu einer spürbaren Regeneration, sondern lindern auch Atemwegserkrankungen wie COPD, Asthma oder Bronchitis“, sagt Eva Radmann, Geschäftsführerin des Salzheilstollen Berchtesgaden. „Und neue Erkenntnisse zeigen auch, dass Salzluft mit hoher Luftfeuchte bei Atemproblemen von Post-Covid-Patienten für Linderung sorgen kann.“ Die reine, von Umwelteinflüssen nahezu freie und mit Salz konzentrierte Luft befeuchte die Atemwege, so Eva Radmann weiter, so dass Viren und Bakterien weniger Chancen haben, sich festzusetzen. Auch die Selbstreinigung und die natürliche Barrierefunktion werde so gegen Krankheitserreger unterstützt.
Hauptgründe für einen medizinischen Besuch des Heilstollens seien verschiedene Indikationen wie zum Beispiel neben den oben genannten auch Nasennebenhöhlenleiden, Neurodermitis oder Heuschnupfen. Auch bei Stress und Schlafproblemen helfe ein Aufenthalt. Eva Radmann: „Besucher des Heilstollens machen in der Regel Kuren zwischen einer und drei Wochen, die täglichen Einfahrten dauern dabei in der Regel rund zwei Stunden, und die Besucher verbringen diese Zeit im Berg in Decken eingepackt auf Liegen.“
Die Idee zu einem Heilstollen kam dem Mediziner Schütz aus Berchtesgaden während er als Kriegsgefangener nahe Krakau in einem Salzbergwerk Patienten versorgte. „Schütz regte an, auch in Berchtesgaden einen Heilstollen einzurichten. Seit den 1980er-Jahren begann man mit der Erprobung solcher Klimatherapien, mit Fertigstellung des Heilstollens Anfang der 1990er-Jahre werden sie auch therapeutisch durchgeführt“, erzählt Eva Radmann.
Nach der positiven Erfahrung asthmakranker Kinder im Heilstollen kamen auch Patienten mit chronisch obobstruktiver Bronchitis. Zwei wissenschaftliche Dissertationen unter Führung des Institutes für medizinische Balneologie und Klimatologie der Universität München untersuchten die Frage, wie sich ein Aufenthalt im Heilstollen auf Patienten mit chronischer Bronchitis auswirkt. Beide ergaben nach einer dreiwöchigen Stollenkur deutliche Verbesserungen bei den Leitsymptomen Husten, Auswurf und Atemnot. „Patienten berichteten auch darüber, dass ihre körperliche Belastbarkeit gestiegen sei“, sagt Eva Radmann.





