Text: Roman Goergen
Aus den Augenwinkeln glauben wir eine düstere Gestalt wahrzunehmen – doch da ist niemand. Trotzdem beschleicht einen im tiefen keltischen Regenwald sehr oft das Gefühl, heimlich beobachtet zu werden. Uralte Baumstämme, verwinkelte Äste, baumelnde Flechten namens Hexenbart und das ständige Spiel zwischen Licht und Schatten im unbeständigen Wetter von Mittelwales gewähren der Fantasie freien Lauf. Ben Bonham grinst die vermutlich von einem Blitzeinschlag verbrannte knorrige Eiche wie eine alte Bekannte an: „Dieses Augenwinkel-Gefühl habe ich jedes Mal, wenn ich an ihr vorbeilaufe“, erzählt der Vertreter der britischen Vogel- und Naturschutzorganisation Royal Society for the Protection of Birds (RSPB): „Die verkohlten Äste sehen wie gestikulierende Arme aus, und der halb weggebrochene Stamm – das könnten Beine sein.“ Trotz der Brandschäden hat der hartnäckige Baum überlebt – bietet Tieren und Insekten Schutz, und sogar kleine Bäume wachsen auf ihm, die ihr Wasser aus der feuchten walisischen Luft beziehen.





