Der bange Blick auf die sogenannte Atlantische meridionale Ozeanzirkulation ist ohne Zweifel berechtigt – es handelt sich um eines der wichtigsten Wärmetransportsysteme der Erde und bestimmt vor allem in Europa das Klima. Die Umwälzung wird von Unterschieden in der Dichte des Meerwassers angetrieben: Von Südwesten fließt das warme und daher leichte Wasser an der Oberfläche in den Nordatlantik – dieser Teil des Systems wird als Golfstrom bezeichnet. Im Norden sinkt das erkaltete und dadurch dichtere Wasser dann in tiefere Ozeanschichten ab und strömt nach Süden.
Computersimulationen legten bereits nahe, dass sich diese Zirkulation in Folge der vom Menschen verursachten globale Erwärmung abschwächen könnte. Ob dieser Effekt bereits vorliegt, war bisher allerdings unklar. „Die Belege, die wir jetzt haben, sind die bisher robustesten“, sagt Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Um Veränderungen der Strömung zu erfassen, haben er und seine internationalen Kollegen Temperaturdaten von der Wasseroberfläche untersucht. Sie ermöglichen Rückschlüsse auf die Strömungseigenschaften, da die Meeresströmungen wiederum die wichtigste Ursache für Temperaturveränderungen im Nordatlantik sind. „Wir haben alle verfügbaren Daten über die Temperatur der Meeresoberfläche analysiert – vom späten 19. Jahrhundert bis heute“, sagt Rahmstorf.
Um etwa 15 Prozent langsamer
Wie die Forscher berichten, zeichnete sich in in ihren Analyseergebnissen ein charakteristisches Muster ab: “Wir haben eine Abkühlung des Ozeans südlich von Grönland und eine ungewöhnliche Erwärmung vor der US-Küste festgestellt“, sagt Co-Autorin Levke Caesar vom PIK. „Diese Ergebnisse sind wie ein Fingerabdruck der Verlangsamung der Umwälzung der Wassermassen im Atlantik“. Wie die Forscher erklären, bringen schwächere Strömungen weniger Wärme nach Norden, was zu einer Abkühlung des Nordatlantiks führt. Gleichzeitig verlagert sich der Golfstrom nahe der US-Küste nach Norden und sorgt für eine Erwärmung der dortigen Gewässer. „Diese Region hat sich in den letzten Jahrzehnten schneller erwärmt als fast alle anderen Teile der Weltmeere“, sagt Co-Autor Vincent Saba vom National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) Laboratory in Princeton, USA.
Die Ergebnisse liefern unterm Strich Belege dafür, dass sich die Ozeanzirkulation seit Mitte des 20. Jahrhunderts um etwa 15 Prozent verlangsamt hat. Die Forscher sind überzeugt, dass es sich um einen Folge des menschengemachten Klimawandels handelt. „Durch die verstärkten Regenfälle sowie Schmelzwasser aus dem arktischen Meereis und Grönlandeis wird das Wasser des Nordatlantiks verdünnt, wodurch sein Salzgehalt sinkt. Weniger salzhaltiges Wasser ist weniger dicht und damit weniger schwer – somit sinkt es schwächer von der Oberfläche in die Tiefe“, erklärt Co-Autor Alexander Robinson von der Universität Madrid. „Wenn wir die globale Erwärmung nicht rasch stoppen, müssen wir mit einer weiteren langfristigen Verlangsamung der Atlantikströmung rechnen“.





