Wie geht es dem deutschen Wald? Seit Mitte der 1980er Jahren wird diese Frage regelmäßig mithilfe von Waldzustandserhebungen untersucht. Dafür begutachten eigens geschulte Fachleute jedes Jahr von Mitte Juli bis Mitte August den Kronenzustand der Waldbäume in systematisch über die gesamte Waldfläche Deutschlands verteilten Stichprobenflächen. Wichtiger Indikator zur Bewertung des Baumzustandes ist die Kronenverlichtung, die die Abweichung von einem voll benadelten beziehungsweise voll belaubten gesunden Baum angibt. Ab 25 Prozent spricht man von einer deutlichen Kronenverlichtung. Das Thünen-Institut für Waldökosysteme prüft die bereitgestellten Rohdaten und berechnet daraus die bundesweiten Ergebnisse. Diese werden im jährlichen Waldzustandsbericht zusammengestellt.
Höchstes Schadniveau seit Beginn der Erhebungen
Jetzt ist der Waldzustandsbericht 2022 erschienen – und er bringt keine guten Nachrichten. Denn der Zustand der deutschen Wälder hat sich nicht verbessert. “Zwar hat es über alle Baumarten hinweg keine deutliche Verschlechterung der Schadstufenanteile im Vergleich zum Vorjahr gegeben – das Schadensniveau befindet sich jedoch weiterhin auf dem höchsten Niveau seit Beginn der Aufnahmen in den 1980er Jahren”, fasst Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir die Ergebnisse zusammen.
Dem Waldzustandsbericht zufolge haben die positiven Effekte des etwas regenreicheren Wetters im Jahr 2021 nicht ausgereicht, um den Zustand des Waldes nach den drei Dürrejahren 2018 bis 2020 nachhaltig zu verbessern. Trotz der günstigen Witterung in einigen Regionen Deutschlands konnte sich der Wasserspeicher des Bodens nach der Trockenperiode nicht vollständig wieder auffüllen, wie das Thünen-Institut für Waldökosysteme erklärt. Dazu kommt, dass das Jahr 2022 erneut zu trocken und warm war und es im Frühjahr 2022 gleich drei Winterstürme kurz hintereinander gab. Sie haben viele geschwächte Bäume umgerissen und für große Schadflächen und mehr Totholz im Wald gesorgt. Dies wiederum erhöht die Gefahr eines Schädlingsbefalls der Bäume.
Ältere Bäume und Fichten besonders stark betroffen
Konkret hat die Erhebung ergeben, dass rund 35 Prozent aller Waldbäume in Deutschland eine deutlich gelichtete Krone von im Schnitt 25,9 Prozent aufweisen. Nur jeder fünfte Baum ist ohne Warnstufe und kann damit als gesund gelten. Besonders betroffen sind weiterhin ältere Bäume über 60 Jahre: 42 Prozent von ihnen zeigen deutliche Schäden. Von den Bäumen jünger als 60 Jahre haben nur rund 15 Prozent deutliche Schäden, aber auch ihr Zustand zeigte laut Waldzustandsbericht im Verlauf der letzten Jahre einen negativen Trend. Der schlechte Zustand betrifft dem Waldzustandsbericht zufolge alle vier Hauptbaumarten Fichte, Kiefer, Buche und Eiche.





