Die Männchen der Australischen Grille (Ornebius aperta) müssen ihre Weibchen über 50 Mal begatten, da diese die Samenpakete immer wieder auffressen. Dieses ungewöhnliche Sexualverhalten haben Verhaltensbiologen der Universität in Toronto (Kanada) beobachtet. Die Forscher veröffentlichen ihre Ergebnisse in der Zeitschrift Proceedings of the Royal Society: Biological Sciences (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rsbl.2004.0198)
Pro Geschlechtsakt geben die Grillenmännchen nur etwa einige hundert Spermien ab. Im Vergleich hierzu ist die Spermienzahl bei anderen Tieren nicht selten eine Million mal größer. Die Spermien werden in Form einer kompakten Masse, der so genannten Spermatophore, an das Weibchen angeheftet. Die Samenzellen haben danach häufig nur drei Sekunden Zeit, die Spermatophore zu verlassen, bevor das Weibchen die Hülle aufnimmt und verspeist.
Die Männchen versuchen daher, ein Weibchen möglichst oft zu begatten, um die Befruchtung zu sichern. Die Verhaltensbiologen sehen in der geringen Spermienzahl pro abgegebenem Paket durchaus einen Sinn: Werden einige der Spermatophoren aufgefressen oder heftet das Männchen sein Samenpaket einmal versehentlich an eine falsche Stelle des Weibchens, so hat das Männchen immer noch genügend Spermien übrig, um sein Glück aufs Neue zu versuchen.
Bei einer anderen Grillenart geben die Männchen dagegen zuerst einige nahezu leere Spermatophoren ab, die wiederum vom Weibchen gefressen werden. Erst wenn das Weibchen satt ist, heftet das Männchen ein gefülltes Samenpaket an. Mit dieser Taktik gehen die Grillen genau den entgegengesetzten Weg, den die meisten anderen Tierarten für die Fortpflanzung eingeschlagen haben: Meist versuchen die Männchen, möglichst viele Weibchen zu begatten. Sie gehen dabei verschwenderisch mit ihrem Samen um, während das Weibchen sich nur mit wenigen Männchen paart.
ddp/bdw ? Oliver Schmid





