Text: Steve Przybilla
Reisen macht Spaß, zumindest denjenigen, die die Rollkoffer hinter sich herziehen. Alle anderen stöhnen regelmäßig auf, wenn Touristenmassen beliebte Urlaubsziele überschwemmen. Müll, Lärm, Dreck – kaum eine Destination, die solche Probleme nicht kennt. Von den Klima-Emissionen, die Flugzeuge verursachen, ganz zu schweigen.
Kopenhagen will es nun besser machen. 2024 hat die dänische Hauptstadt das Programm „CopenPay“ ins Leben gerufen: Reisende, die sich ökologisch vorbildlich verhalten, erhalten vergünstige Museumstickets, kostenlose Getränke oder einen Gratis-Saunagang. Das Belohnungssystem soll den Tourismus nachhaltiger machen. So jedenfalls stellt sich die Tourismusbehörde das vor. Doch kann die Realität da mithalten? Ein viertägiger Aufenthalt in Kopenhagen soll das System auf die Probe stellen. Mit dabei: ein Hund, ein Elektroauto und jede Menge guter Vorsätze.
Erster Tag: Pappkartons und Plastikbecher
Mein erster Tag als Öko-Urlauber startet mit einem Fail. Eigentlich möchte ich an einer Stadtführung teilnehmen, die nur die Hälfte kostet, wenn man mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist. Doch wie komme ich in die Innenstadt? Immerhin liegt meine Ferienwohnung 20 Kilometer außerhalb der Stadt. Der Onlinefahrplan ist schnell gefunden, der richtige Tarif leider nicht. Ein Einzelticket kostet 6,43 Euro (plus 3,22 Euro für den Hund); macht für Hin- und Rückfahrt insgesamt 19,30 Euro. Fürs Tagesticket müsste ich 26,80 Euro zahlen, plus 13,40 Euro für den Hund. Dann lieber gleich die „Copenhagen Card“? Mit „CopenPay“ hat sie nichts zu tun; jeder Urlauber kann sie kaufen. Sie bietet eine Flatrate für den ÖPNV sowie kostenlose Eintritte in 80 Museen. Der Preis für 72 Stunden: 132 Euro. Ich rechne und rechne und rechne – und merke irgendwann, dass der Bus weg ist. Mist!
Um den Ärger über die verpasste Stadtführung zu kompensieren, begebe ich mich zum Strand von Vedbæk – zu Fuß, wie es sich für einen umweltbewussten Reisenden gehört. Der mondäne Kopenhagener Vorort hat etwas von Hamburg-Blankenese: malerische Strandcafés, Backstuben mit Reetdächern, Menschen jeglichen Alters, die selbst in Strandklamotten so gestylt aussehen, als stammten sie aus einem Katalog. Nur eines gibt‘s nicht: Restaurants für Normalsterbliche. Im nahe gelegenen Strandlokal verraten Austern und Weißhemden-Kellner, dass dort jenseits meiner Preisklasse gespeist wird.
Doch dann kommt die Rettung. Auf einer Bank am Strand beißt ein Mann genüsslich in sein Sandwich. „Vom besten Italiener der Stadt“, verrät er mir. Der befinde sich nur drei Straßen entfernt. Gibt’s da auch etwas Nachhaltiges? Der Mann überlegt: „Wenn du fragst, nehmen sie sicher die Salami von der Pizza.“ Tatsächlich zieht wenige Hundert Meter weiter der Duft von Tomatensoße durch die Straße. Hier befindet sich der gelobte Italiener. Wie sich herausstellt, nimmt das Mini-Lokal ausschließlich Bestellungen an der Theke an. „Bitte keine Verpackung“, sage ich und zeige auf den Campingtisch vor der Tür. DerPizzabäcker nickt. „Dauert nicht lange, setz dich doch“, antwortet er auf Englisch. Zehn Minuten später reicht er mir alles durchs Fenster: eine Pizza im Pappkarton, einen Eistee in der Plastikflasche und einen Schluck Wasser für den Hund – stilecht serviert im Plastikbecher. Ich zucke vor Schreck zusammen. Hatte ich nicht extra betont, dass ich vor Ort esse? „I know“, antwortet der Pizzabäcker. „Deshalb kriegst du auch keine Tüte.“ Verschämt schaue ich mich um. Hoffentlich sieht mich niemand von „CopenPay“!





