Geschlossene Fabriken, Büros und Geschäfte, kaum Verkehr und wenig Konsum: Um der Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 Einhalt zu gebieten, haben viele Länder weltweit ihr öffentliches Leben und ihre Wirtschaft in den letzten Wochen stark heruntergefahren. Schon im März 2020 sorgte dies dafür, dass die Emissionen von Treibhausgasen und Luftschadstoffen vielerorts messbar absanken, wie unter anderem Stickoxidmessungen per Satellit zeigten.
Täglicher CO2-Ausstoß um 17 Megatonnen niedriger
Welchen Effekt die Shutdowns auf die Emissionen von CO2 hatten, hat nun ein Team um Corinne Le Quéré von der University of East Anglia näher untersucht. Weil es allerdings bislang keine Echtzeit-Erfassung der CO2-Emissionen gibt und nationale Statistiken zum Teil um Jahre hinterherhinken, mussten sie eine Schätzung durchführen. Dafür werteten die Wissenschaftler die Daten laufender Erhebungen zu Energie- und Rohstoffverbrauch, Industrieproduktion und Verkehrsaufkommen in 69 Ländern aus. Dies ergänzten sie durch Informationen über das Ausmaß der Pandemie-Maßnahmen aus den verschiedenen Ländern und durch Satellitendaten zur Luftverschmutzung.
Die Schätzung ergab: Insgesamt haben die Emissionen von Januar bis April 2020 um 1048 Millionen Tonen CO2 gegenüber den Vorjahreswerten abgenommen. Anfang April lag der tägliche CO2-Ausstoß um 17 Megatonnen CO2 pro Tag niedriger als 2019 – das ist relativ zum Vor-Corona-Niveau von 100 Megatonnen ein Rückgang um 17 Prozent. Den größten Anteil an diesem Rückgang hat China mit einem Gesamtrückgang um 242 Megatonnen CO2, gefolgt von Europa mit 123 Megatonnen und Indien mit 98 Megatonnen CO2, wie die Forscher berichten.

Größte Rückgänge bei Verkehr und Produktion
Le Quéré und ihre Kollegen haben auch ermittelt, in welchen Bereichen am meisten CO2 eingespart wurde. Demnach entfällt der größte Anteil der Reduktion auf den Verkehr am Boden mit rund 7,5 Megatonnen CO2 pro Tag weniger. Darauf folgt die Produktion von Gütern und Dienstleistungen mit einem Rückgang um 4,3 Megatonnen täglich und die Stromerzeugung mit 3,3 Megatonnen CO2 weniger. Die CO2-Emissionen sind Luftverkehr prozentual mit 60 Prozent am stärksten zurückgegangen, in absoluten Zahlen liegt der Rückgang hier bei 1,7 Megatonnen pro Tag. Weil mehr Menschen im Homeoffice waren oder gar nicht arbeiten konnten, sind dafür die täglichen Emissionen aus Privathaushalten um 0,2 Megatonnen angestiegen.





