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COP30: Um welche Themen geht es auf der Klimakonferenz?
Nachhaltigkeit

COP30: Um welche Themen geht es auf der Klimakonferenz?

Heute beginnt im brasilianischen Belém die UN-Klimakonferenz COP30. Es ist der inzwischen 30. Weltklimagipfel, zu dem wieder zwei Wochen lang Vertreter aus fast 200 Ländern zusammenkommen, um über den Klimawandel und Klimaschutzmaßnahmen zu sprechen. Welche Themen stehen dabei diesmal besonders im Fokus? Worüber…
Autor
Claudia Krapp
10. November 2025
Lesezeit
5 Minuten
Rubrik
Nachhaltigkeit

Vom 10. bis 21. November 2025 findet die UN-Klimakonferenz COP30 im Nordosten Brasiliens statt. Es werden etwa 50.000 Teilnehmende aus fast 200 Ländern erwartet. Es ist die 30. Konferenz der Mitgliedsstaaten der UN-Klimakonvention und zugleich ein Jubiläum des historischen Pariser Klimaabkommens, das vor genau zehn Jahren auf der COP21 beschlossen wurde. Damals einigte sich die Weltgemeinschaft darauf, die menschengemachte Erderwärmung bis zum Jahr 2100 langfristig auf maximal zwei Grad, möglichst aber 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen und entsprechende Maßnahmen zum Schutz des Klimas zu ergreifen. Dazu zählt ein grundsätzlicher Ausstieg aus fossilen Energien und eine Wende hin zu erneuerbaren Energien. Ärmere Länder, die besonders stark vom Klimawandel betroffen sind, sollen zudem mit Milliardenhilfen bei der Anpassung unterstützt werden. Auf der COP29 in Aserbaidschan wurde zuletzt beschlossen, diese Finanzhilfen aufzustocken.

Mangelnde Maßnahmen

Faktisch ist das Pariser Ziel jedoch bereits gescheitert. Die 1,5-Grad-Grenze wird spätestens zu Beginn der 2030er-Jahre überschritten werden, mindestens einige Jahre lang, wie neueste Studien zeigen. Das ist kein Wunder. Denn es klafft eine enorme Lücke zwischen den vereinbarten Zielen und den bereits beschlossenen oder umgesetzten Klimaschutzmaßnahmen. Es werden weltweit weiter jährlich mehr Treibhausgase freigesetzt als im Jahr zuvor, obwohl grundsätzlich eine Verringerung der Emissionen vereinbart wurde. Nach derzeitigem Stand und ohne weiteres konsequentes Handeln steuert die Welt daher auf eine Erwärmung um 2,8 Grad und mehr zu, wie ein Bericht des UN-Umweltprogramms kürzlich aufzeigte. Selbst wenn zusätzlich alle bislang für 2035 angekündigten Maßnahmen umgesetzt würden, wäre die Welt Ende des Jahrhunderts um etwa 2,4 Grad wärmer. Das hätte fatale Folgen für Mensch und Natur und weit größere Auswirkungen als bei einer eigentlich angestrebten Erderwärmung um 1,5 oder zwei Grad.

„Heute wissen wir noch viel mehr über das Klimasystem als vor zehn Jahren – und es gibt keine Entwarnung. Wir nähern uns kritischen Schwellen, teils haben wir sie womöglich schon überschritten. Heute kann niemand mehr sagen, er oder sie habe von diesen Risiken nichts gewusst“, sagt der Klimaforscher Andreas Fink vom Karlsruher Institut für Technologie. Die möglichen Stellschrauben für eine Verringerung der Treibhausgas-Emissionen sind bereits bekannt. Der Streit um konkrete Maßnahmen, die Kostenverteilung und die Verantwortung hält aber an. Bei der COP30 wird es daher erneut vor allem darum gehen, wer wann und wie handeln und bezahlen muss.

Mangelnde Vorbilder

Ein maßgeblicher Dämpfer ist dabei, dass die USA nicht an der COP in Brasilien teilnehmen werden. Die Wirtschaftsmacht ist zwar der weltweit zweitgrößte Emissions-Verursacher, zeigt jedoch unter Präsident Trump derzeit kein Interesse am Klimaschutz. Das Land ist aus dem Pariser Klimaabkommen ausgetreten. Eine wichtige Rolle kommt auch der EU als viertgrößtem Emittenten zu. In den letzten Jahren galt die Europäische Union noch als Vorreiter in Sachen Klimaziele mit den mit stärksten nationalen Selbstverpflichtungen (NDC, Nationally Determined Contributions). Ihr gemeinsames Ziel ist es, bis 2050 klimaneutral zu handeln. Über die Zwischenziele bis dahin und wie man diese erreichen sollte, herrscht allerdings noch Uneinigkeit.

So hat sich diese Gemeinschaft aus europäischen Industriestaaten erst kurz vor Beginn der COP auf Druck der Wirtschaft darauf geeinigt, seine zuvor angestrebten Klimaziele für 2040 doch massiv abzuschwächen. Die Vereinbarung erlaubt nun beispielsweise zum Teil internationale CO2-Zertifikate, über die Länder ihren Klimaschutz gewissermaßen gegen Bezahlung an andere Staaten auslagern können, statt selbst die Emissionen zu senken. Zudem sind sogenannte Carbon-Capture-and-Storage-Lösungen (CCS) nun erlaubt. Damit lässt sich bereits in die Atmosphäre freigesetztes CO2 wieder einfangen. Das ist zwar ein sinnvoller Beitrag zum Klimaschutz, jedoch sehr aufwändig. Deutlich effektiver wäre es daher nach Ansicht vieler Klimaforscher, per se weniger Treibhausgase freizusetzen.

Kritiker befürchten, dass die vagen politischen Vorgaben und Schlupflöcher im Klimaschutz-Regelwerk die fossile Industrie animieren, mit ihrem klimaschädlichen Geschäftsmodell weiterzumachen wie bisher. Viele Forschende und Experten sind entsprechend enttäuscht von der EU als vermeintlichem Vorbild. Nichtsdestotrotz steht nun immerhin das Klimazwischenziel der EU, bis 2040 um 90 Prozent weniger Emissionen freizusetzen als noch 1990. Dieser Wert gilt nun als Wegweiser für die NDCs und den Klimaschutz in den einzelnen EU-Ländern sowie einigen anderen Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen auf der COP.

Logo der COP30 auf einem Plakat
Die COP30 findet in Belém in Brasilien statt. © UN Climate Change / Kiara Worth

Austragungsort mit Signalwirkung?

Die Klimakonferenz findet erstmals im Amazonasgebiet statt. Belém ist das Eingangstor zum Amazonasbecken, dem größten zusammenhängenden Tropenwald der Erde. Das ist ein besonders symbolträchtiger Ort, denn der Regenwald gilt als „grüne Lunge“ der Welt. Er speichert große Mengen des Treibhausgases CO2 und mildert so die Erderwärmung. Zudem ist er Heimat für unzählige Arten. Doch wie viele andere Lebensräume sind auch der Amazonas und die darin lebenden Tiere und Pflanzen stark durch menschliche Eingriffe bedroht. Wichtige Faktoren sind dabei Abholzung, Brandrodung und Fragmentierung des Tropenwaldes. Der Amazonas kann dadurch schon jetzt immer weniger CO2 aufnehmen.

Bereits vor Beginn der COP30 treffen sich am 6. und 7. November 2025 die Regierungschefs der Länder zum Climate Leaders Summit. Dabei wird es unter anderem um einen neuartigen Fonds zum Schutz des Amazonasregenwaldes und anderer Tropenwälder gehen, den Tropical Forest Forever Fund (TFFF). „Dieser Fonds soll in Staatsanleihen investieren und ein Teil der Renditen an die Einzahler zurückzahlen. So sollen Länder finanziell für ihre Bemühungen belohnt werden, den tropischen Regenwald zu erhalten“, erklärt Lambert Schneider vom Öko-Institut in Berlin, der in Belém für die EU verhandeln wird. Mithilfe des angestrebten 108 Milliarden Euro schweren Fonds soll der Wald als Lebensversicherung für alle Menschen weltweit bewahrt werden. Zu den Profiteuren würde auch Gastgeber Brasilien zählen, der den Fonds ins Leben gerufen hat.

Im Gegensatz zu den bisher vor allem technisch orientierten Ansätzen könnte der Fonds auch einen generellen Perspektivenwechsel schaffen, hoffen Forschende. Er könnte die Ausbeutung der Natur und die Übernutzung des Planeten insgesamt stärker in den Fokus rücken. „Viele Jahre lang wurden Klima- und Biodiversitätsschutz – auch in den internationalen Verhandlungen – weitgehend getrennt behandelt. Hier Brücken zu bauen und beide zueinander zu bringen, ist von großem Vorteil und Nutzen“, betont Katrin Böhning-Gaese vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung.

Quellen: Vereinte Nationen, Science Media Center, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)

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