Wer häufig mit Computertastatur und Maus arbeitet, hat kein höheres Risiko als die Normalbevölkerung, an einem Karpaltunnelsyndrom (CTS) zu erkranken. Schmerzen, Kribbeln oder Taubheitsgefühle in der Hand lassen sich bei Computernutzern oft auf andere Ursachen zurückführen, haben Ärzte der amerikanischen Mayo Clinic in Rochester jetzt festgestellt. Sie veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie jetzt im Fachblatt Neurology.
Beim Karpaltunnelsyndrom drücken anschwellende Sehnen in der Hand auf den mittleren Handnerv. Typisch sind Schmerzen in der Handfläche, die sich über Arm und Schulter bis in den Nacken ausbreiten können.
Der Neurologe J. Clarke Stevens und sein Team hatten 257 Angestellte, darunter Sekretärinnen und Datentypistinnen der Mayo Clinic in Scottsdale/Arizona befragt. Alle nutzten den Computer an ihrem Arbeitsplatz durchschnittlich sechs Stunden am Tag. 30 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, bereits einmal Taubheitsgefühle oder Stiche in der Hand gespürt zu haben. Detailliertere Untersuchungen ergaben, dass 27 Personen oder gut zehn Prozent der Teilnehmer typische Symptome eines Karpaltunnelsyndroms zeigten.
Elektromyographische und neurographische Untersuchungen, bei der die Leitgeschwindigkeit des mittleren Handnervs gemessen wurde, bestätigten die Diagnose bei neun Personen oder 3,5 Prozent der Teilnehmer. “Dieser Prozentsatz entspricht der Häufigkeit, mit der die Erkrankung in der normalen Bevölkerung auftritt”, erklärt Stevens. Bei der Gruppe, die zwar Schmerzen verspürte, aber nicht unter dem Karpaltunnelsyndrom litt, traten die Beschwerden kurzzeitig und nur in leichter Form auf.
Besondere Unterschiede zwischen den erkrankten Personen und den gesunden Studienteilnehmern konnten die Forscher nicht feststellen: “Alle hatten ähnliche Tätigkeiten, nutzten den Computer die gleiche Anzahl von Jahren und für die gleiche Anzahl von Stunden am Tag. Es gab keinen Hinweis, das die Nutzung eines Computers einen besonderen Risikofaktor für das Karpaltunnelsyndrom darstellen könnte”, so Stevens.
Dies bedeute aber nicht, dass die monotonen, sich ständig wiederholenden Bewegungsabläufe bei der Computernutzung letztlich nicht doch zu Problemen führen können, betonen die Autoren der Studie.
Almut Bruschke-Reimer





